Karlsruher Manifest für Software Engineering
1. Software ist ein wesentlicher Wertschöpfungsfaktor in Deutschland
Ein großer Teil der Wertschöpfung in Deutschlands erfolgreichsten Branchen entfällt auf die Software – insbesondere bei der Automobilbranche, dem Maschinen- und Anlagenbau oder der Medizintechnik. Darüber hinaus erzielt Deutschlands ausgeprägte Software-Industrie Wertschöpfung durch Software-Produkte und Beratung für Software-Engineering – mit einer besonderen Kompetenz bei der Entwicklung von Individualsoftware durch mittelständische Software-Häuser.
2. Software-Entwicklung ist eine Ingenieurdisziplin
Software-Entwickler* arbeiten ähnlich wie Entwicklungsingenieure: Auf der Basis eines wissenschaftlich-technischen Fundaments und unter Berücksichtigung ökonomischer und sozialer Rahmenbedingungen entwickeln sie systematisch und zielgerichtet Lösungen für gestellte Aufgaben.
3. Software-Ingenieure vollziehen einen beständigen Wandel
- Noch schneller als in anderen Ingenieurdisziplinen verändert sich die materielle Grundlage – die zur Verfügung stehende Hardware. Damit verändern sich kontinuierlich die Möglichkeiten und zugleich die Anforderungen an Software.
- Software-Ingenieure erneuern beständig ihr Wissen: Software-Entwicklung verlangt nicht nur Erfahrung in der Software-Technik, sondern darüber hinaus beständig aktualisiertes Wissen über den jeweiligen Anwendungsbereich.
- Software-Ingenieure arbeiten in wechselnden Konstellationen: Software-Erstellung ist ein sozialer Prozess und findet in einem sozialen Raum statt. Das stellt hohe Ansprüche an die Kommunikation: Nutzer, Auftraggeber, das eigene Management, das eigene Team – alle haben Vorstellungen und verfolgen Interessen, welche es zu hinterfragen und zu integrieren gilt.
4. Die Bedeutung des Programmierens bei der Software-Entwicklung ist unterbewertet
Programmieren ist die wesentliche produktive und wertschöpfende Tätigkeit bei der Software-Entwicklung und kann nicht vom Entwurf getrennt werden. Programmieren heißt mehr als Codieren: Programmieren ist hochwertige Ingenieurtätigkeit mit einem hohen gestalterischen Einfluss und bedarf einer wissenschaftlichen Ausbildung. Gute Software-Ingenieure zeichnen sich dadurch aus, dass sie schnell zwischen Entwurfs- und Code-Ebene wechseln können und die Auswirkungen von Entscheidungen einer Ebene auf die andere abschätzen können.
5. Qualität nimmt einen zu geringen Stellenwert ein
Qualität hat bei der Software-Entwicklung einen zu geringen Stellenwert. Entwurf, Implementierung und Qualitätsmanagement müssen eng verzahnt sein. Die Verantwortlichen fordern und unterstützen zu wenig Nachhaltigkeit.
Die Vision:
Für die Wirtschaft
Für die Hochschulen
| Für Politik und Gesellschaft
Für Schülerinnen und Schüler
Für uns Software-Ingenieure
|
*Zur besseren Lesbarkeit verwenden wir die nur die kürzere, männliche Form, adressieren aber gleichermaßen Entwicklerinnen und Entwickler bzw. Ingenieurinnen und Ingenieure.
Initiatoren: Prof. Dr. Ralf Reussner, KIT; Matthias Grund, andrena objects ag