Autoren-Archive: Susann Mathis

CitrixCitrix Mobility Apps, eine Business Unit der Citrix Systems, Inc. (Nasdaq: CTXS), gehört zu den globalen Marktführern multimedialer Online-Kommunikationslösungen, Remote-Connectivity, Web-Collaboration und Video-Conferencing.

Mit mehr als 100 Software-Ingenieuren ist Karlsruhe mittlerweile einer der größten Entwicklungsstandorte von Citrix Mobility Apps. Die Entwicklungsschwerpunkte der verschiedenen Scrum-Teams liegen im Bereich anspruchsvoller verteilter Software-Anwendungen, wobei sich der technische Rahmen vom service-orientierten Backend bis zur Desktop-Anwendung (Windows, Mac) und vom Web-Frontend bis zur mobilen App (iOS, Android) spannt. Gleichzeitig ist die tägliche Arbeit in den Teams durch Agilität, ein großes Qualitätsbewusstsein und Software Craftsmanship geprägt.

Wir freuen uns auf eine erfolgreiche Mitgliedschaft im VKSI und heißen Citrix Mobility Apps herzlich im VKSI willkommen!

studienor_05082015-1045_hqDer Inhaber des Lehrstuhls für IT-Sicherheit am KIT mit dem Faible für kryptographische Protokolle hat ein klassisches Hobby (Wandern) und ein weniger klassisches (historische Verschlüsselungsmaschinen). Hier geht's zu seiner Werbung für Informatik als Studienfach: http://www.faz.net/-gyl-85h2x

  • Clean Code Training, 08.-09. September 2015, in Stuttgart
  • Test Driven Development, 23.-24.09.2015, in Karlsruhe
  • Agiles Requirements Engineering, 08.-09.10.2015, in Frankfurt

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Klaus Tschira
(c) Tim Wegner

Ein Nekrolog beginnt naturgemäß mit dem Ende: Tschira starb am 31. März 2015 unerwartet an einem Herzinfarkt. Doch sein Schaffen und nicht zuletzt seine Stiftungen werden ihn noch lange überdauern. Nach Abitur und Physik-Studium in Karlsruhe arbeitete der 1940 in Freiburg geborene Tschira von 1966 bis 1972 als Systemberater bei IBM in Mannheim. 1972 war Tschira einer der fünf Gründer der Systemanalyse und Programmentwicklung GbR in Weinheim, aus der 1988 die SAP AG hervorging. 26 Jahre später wechselte er in deren Aufsichtsrat. Seit diesem Rückzug aus dem SAP-Tagesgeschehen war Tschira als Mäzen und Förderer tätig. Der Wein- und Musikliebhaber und zweifache Familienvater kochte gerne, so kann man lesen, und ließ anscheinend nie jemanden im Regen stehen. Sein unerwarteter Tod rief viele bestürzte Reaktionen hervor. Bewundernde, liebevolle und traurige Nachrufe haben sein Leben, seine Leistungen und seine Persönlichkeit ausführlich gewürdigt, im Folgenden zitieren wir einige Auszüge: 

Der Software-Milliardär:

David Jolly, New York Times: »Klaus E. Tschira, whose pioneering role in the business software revolution made him one of Germany’s richest men, died on Tuesday in Heidelberg. He was 74. (…) »We wanted to develop the software within IBM,« Hasso Plattner, one of Mr. Tschira’s colleagues at the time, said in an interview. »But the conditions weren’t right. Management probably didn’t see the potential.« (…) So Mr. Tschira, Mr. Plattner and three other colleagues — Dietmar Hopp, HansWerner Hector and Claus Wellenreuther — left IBM to develop the software on their own. They formed a company called SAP, short for Systems, Applications and Products in Data Processing. (…) »We had no computer of our own, so we had to work on customers’ computers, usually at night,« Mr. Plattner said. »That was stressful.« (…) Though it was »a team effort,« Mr. Plattner said, Mr. Tschira played a major role in developing all three of those products and led the development of software used by human resources departments to manage hiring, payroll processing and employee records.«

Der Kommunikator:

Bei der Gründung des Nationalen Instituts für Wissenschaftskommunikation (NaWik) sagte Klaus Tschira am KIT: »Ich bin fest davon überzeugt, dass die Wissenschaft eine Bringschuld hat, der Öffentlichkeit ihre Erkenntnisse und Denkweisen näherzubringen.« Prof. Dr. Carsten Könneker, Chefredakteur Spektrum der Wissenschaft schreibt: »... gründeten die Klaus Tschira Stiftung und das Karlsruher Institut für Technologie 2012 das NaWik, dessen Kooperationspartner von Beginn an der Verlag Spektrum der Wissenschaft war. Auch wenn ihm Wertschätzung für Wissenschaft sehr am Herzen lag, war Klaus Tschira nicht darauf aus, die Gesellschaft aus allen Kanälen gleichsam mit Forschung zu beschallen. Marketing und eine überzogene Darstellung von Errungenschaften der Wissenschaft, wie sie regelmäßig zu lesen, zu hören und zu sehen sind, waren sein Ding nicht.«

Der Astronom:

Wegen seines Engagements im Rahmen der Entwicklung des Kleinsatelliten DIVA wurde im Jahr 2000 ein Asteroid nach ihm benannt. Markus Pössel, www.haus-der-astronomie.de, schreibt: »Klaus Tschira saß stets ein jungenhafter Schalk im Nacken. Unumwunden erzählte er jedem, wie er als Schüler von seinen Karlsruher Klassenkameraden »Planetenheini« gerufen wurde, weil er sich brennend für Astronomie und Naturforschung interessierte. Wohl auch aus dieser Erfahrung heraus setzte sein späteres Engagement für die Wissenschaftskommunikation bereits im Kindergarten an. So gründete er die Forscherstation, welche bereits viele Erzieher sowie Grundschulpädagogen fortbildete (...) Doch er baute auch gerne: »Etwa das spektakuläre Haus der Astronomie am Max-Planck-Institut für Astronomie in Heidelberg, welches der Spiralgalaxie M51 nachempfunden ist. Oder – ganz aktuell – die »ESO Supernova« in Garching, die 2017 eröffnet werden soll.«

Der Gründer und Mäzen:

Bereits 1995 hatte Tschira die Klaus Tschira Stiftung in Heidelberg gegründet, die sowohl Schüler für Naturwissenschaften und Informatik begeistern als auch Spitzenforscher unterstützten sollte. Sie ist bis heute eine der größten Stiftungen Deutschlands. Später kam das European Media Laboratory als Institut für angewandte Informatik hinzu. »Klaus Tschira war ein Mäzen, der seine lebenslange Leidenschaft für die Naturwissenschaften in unzählige Projekte gegossen hat«, sagte Baden-Württembergs Wissenschaftsministerin Theresia Bauer (Grüne). Er sei stets unprätentiös und auf die Sache konzentriert gewesen. »Wir sind ihm zu großem Dank verpflichtet. Seine prägenden Beiträge für die Wissenschaft werden wir sehr vermissen«, sagte Bauer. Seinem finanziellen Engagement ist es beispielsweise zu verdanken, dass das Deutsche Museum den Nachlass von Konrad Zuse erforschen kann, den Tschira der Familie Zuse abgekauft hatte. Mit der Gerda und Klaus TschiraStiftung kaufte er dem Freistaat Sachsen die Wilhelm-OstwaldGedenkstätte ab, um sie als »Denkstätte« für Biologen und Chemiker zu betreiben.«

Dietmar Hopp sagte über seinen verstorbenen Freund: »Auch in kritischen Phasen verlor er nie den Blick für das Wesentliche und Aufgeben war nie eine Option für ihn – das hat ihn für uns alle so wertvoll gemacht.«

Susann Mathis

Wenprof_trogen heute davon die Rede ist, dass Informatik alle Bereiche des Lebens durchzieht, dann folgen Beispiele wie: Software und Datenbanken sind zum zentralen Wirtschaftsgut der meisten Firmen geworden. Der Computer auf vier Rädern ist ein Automobil. Der Computer auf meinem Schreibtisch ist Teil eines gigantischen Geheimdienstapparats. Aber bislang nur selten stellt man sich die Frage, ob ein Orchester etwa ein musizierender Computer sein kann.

In Karlsruhe kann man dieser Frage auf den Grund gehen: An der Hochschule für Musik existiert ein weltweit einzigartiges Institut für Musikinformatik. Ein Institut, in dem nicht einfach erforscht und gelehrt wird, wie man mit Soft- und Hardware Musikerinnen und Musiker unterstützt, sondern ein Institut, in dem die Auffassung vertreten wird, dass das Programmieren eine dem Komponieren gleichwertige kreative Tätigkeit ist. Gründer des Instituts ist Professor Dr. Thomas A. Troge. Er studierte, parallel zu seinem Musikstudium, an der Universität Karlsruhe Ingenieurwissenschaften. Nach seiner Promotion baute Troge sein eigenes Forschungsbüro auf. In seinem wei- ßen Büro im schwarzen Neubau der Musikhochschule treffe ich ihn zum Interview.

Herr Professor Troge, wie wurde aus Ihrem Forschungsbüro ein Institut der Musikhochschule?

Professor Troge: Bei der Gründung des ZKM wurde ich von der Stadt Karlsruhe als Berater angeworben. In diesem Zusammenhang entstand an der Musikhochschule das Bedürfnis, eine Kooperation mit dem ZKM aufzubauen. Ich selber bin Pianist, habe aber auch schon erstmals ab 1972 versucht, am Computer Musik zu machen. Das ab 1989 an der HfM von mir aufgebaute Fach »Musikinformatik« – seit 2004 als Institut für Musikwissenschaft und Musikinformatik IMWI – wurde so benannt, um den Unterschied zu verwandten Angeboten wie etwa »Computermusik« oder »Music Technology« zu verdeutlichen.

An anderen Orten wird das Fach eher technisch orientiert gelehrt. Was ist das Besondere an der Musikinformatik in Karlsruhe?

Professor Troge: An anderen Universitäten sind vergleichbare Angebote in der Regel an den technischen Fakultäten angesiedelt. Dort wird das Fach im Prinzip als Informatik unterrichtet und man belegt ein paar zusätzliche Musikfächer, meistens sogar dann an einer anderen Hochschule. In Karlsruhe dagegen studiert man an der Staatlichen Hochschule für Musik, also einer Kunsthochschule. Hier ist die Musik das Dominierende, unsere Studierenden studieren in ständigem Kontakt zu Musikern aller Fächer. Wir versuchen, auch schon im Bachelorstudium, sehr breite Grundlagen zu legen und trotzdem schon gewisse Vertiefungsrichtungen anzubieten wie z. B.: Sonic Arts/Composition, Software for Creativity und den großen Bereich Audio-/Mediengestaltung, letzteres wollen wir umbenennen in »Künstlerische Medienproduktion«. Wichtig ist in diesem Zusammenhang auch, dass wir ein exzellent ausgestattetes Computerstudio und außerdem seit knapp zwei Jahren einen hervorragenden Multimediasaal in der Hochschule haben.

Und wie unterscheiden Sie sich im internationalen Vergleich?

Professor Troge: Zum einen durch eben diese Konzeption unserer Studiengänge. Wir kommen vom Künstlerischen her und machen uns die Informatik zum Werkzeug; zum anderen fragen wir umgekehrt auch, inwieweit sich die Musik informationstheoretisch betrachten lässt. Weltweit einzigartig ist auch, dass unser Studiengang wirklich alle Bereiche der Musikinformatik beinhaltet, von der ‚banalen’ digitalen Audiotechnik bis zur Frage, ob ein Computersystem eines Tages auch zu etwas Ähnlichem wie »künstlerischer Kreativität« fähig sein kann oder nicht. Die anderen Studiengänge, etwa in den USA oder in Frankreich, heißen etwa »Computer Music« oder »Music Technology« oder drücken auf andere Art und Weise aus, dass es sich bei der Musik um eine Ergänzung handelt. Oder man kann das Fach Computermusik belegen, dieses beinhaltet dann allerdings nur den rein kompositorischen Aspekt.

lautsprechermatrixStudio des Instituts für Neue Musik und Medien mit variabler Lautsprechermatrix

Auf Ihrer Website steht, dass Sie sich unter anderem auch mit Kognitionswissenschaften bis hin zu Fragestellungen aus der Forschung im Bereich der künstlichen Intelligenz beschäftigen...

Professor Troge: Ja, wir betrachten die Musik auch von der Informationstheorie aus, das bedeutet, sich zu überlegen, was wird mit der Musik eigentlich transportiert. Musik ist eine Art von Information, aber es ist keine semantische, verbalisierbare Information, d.h. wir haben starke Anteile von Kognitionswissenschaft, psychologischer Akustik, Epistomologie, Emotionsforschung usw.. Wir beschäftigen uns mit der Frage: Was nehmen wir überhaupt wahr, aber auch umgekehrt mit der Frage: Wo kann die Informatik von der Musikinformatik profitieren, wie laufen eigentlich kreative Prozesse ab? Das ist aktuell das Hauptthema unseres Doktoranden-und Forschungskollegs. Das Ziel ist es, Simulationsmodelle zu entwerfen, mit denen man kreative Prozesse abbilden und dadurch besser verstehen kann, was bei Menschen passiert, wenn er komponiert, interpretiert oder Musik einfach nur hört.

Wie definieren Sie Kreativität?

Professor Troge: Inzwischen zeichnet sich ein gewisser Erkenntnisgewinn ab, sodass man inzwischen sagen kann, dass Kreativität einerseits ein völlig überbewerteter und in Mitteleuropa sogar mystifizierter Begriff ist. Was sich allmählich herauskristallisiert, auch durch die vielen Ergebnisse der neurophysiologischen Forschung in den letzten zwei Jahrzehnten, ist, dass Kreativität eine Grundeigenschaft jedes Säugetiergehirns ist. D.h. wir würden nicht überleben, wenn unser Gehirn nicht ständig die nächste Zukunft extrapolieren würde. Das wird anschaulich, wenn man überlegt, was ein Skifahrer macht, der auf eine Piste kommt und der in Sekundenbruchteilen weiß, wie er fahren muss, um den Hang hinunter zu kommen, ohne mit einem der anderen Skifahrer, einem Baum oder einer Pistenbegrenzung zu kollidieren und der genau weiß, welche Bewegungen er machen muss, um in der richtigen Haltung über einen Buckel auf der Piste zu fahren. Das Gehirn macht also in Sekundenbruchteilen vieles, was man allmählich heute mit den Rechnern simulieren kann: Es simuliert die Topographie des Geländes mit allen dynamischen Schwierigkeiten und extrapoliert eine oder mehrere mögliche Routen. Bei kreativ tätigen Menschen laufen ähnliche Dinge ab. Der Komponist sagt: Das Schwierigste an einer Komposition ist die erste Note. Bevor ich diese erste Note geschrieben habe, habe ich ein Universum von Möglichkeiten. In dem Moment, wo ich die erste Note geschrieben – ›gesetzt‹ – habe, wird dieser Möglichkeitsraum kleiner und verengt sich mit jeder weiteren Note, die ich dazu setze. Bis sich dann, wenn die Komposition gut läuft, die letzten Noten sich fast von selbst ergeben.

Das heißt, jedes Gehirn ist kreativ?

Professor Troge: Nicht allein das Gehirn, sondern die Gehirn-Körper-Einheit. Ein wichtiger Schritt in der Forschung war, dass man den Körper wieder einbezogen hat. Ich würde heute den Begriff der kreativen Begabung so verwenden, dass eigentlich jeder Mensch, der ein normales Gehirn und einen normalen Körper hat, auch kreativ sein kann. Und ob er das nun wird oder nicht, das hängt dann im Wesentlichen von seiner individuellen Geschichte ab und von dem Umfeld, in dem er aufwächst. Natürlich klingt das hier nun etwas einfacher, als es dann im konkreten Einzelfall wirklich ist.

Viele Mathematiker (und auch viele Informatiker) machen selber Musik. Treten diese Begabungen häufig zusammen auf oder sind das einfach zwei Seiten derselben Medaille?

Professor Troge: Darauf kann ich keine definitive Antwort geben. Aber es ist sicherlich richtig, dass sowohl die Mathematik wie auch die Musik Sonderwelten sind. Die Mathematik ist eine Welt, wo die Philosophen sich schon immer fragen, ist es die Welt, nach der unsere Welt konstruiert ist, oder ist es nur etwas, das Menschen sich ausgedacht haben, und das zufällig dafür taugt, einiges unserer Welt zu beschreiben. Es ist auf jeden Fall eine Welt, die ihre eigenen Gesetze hat, die zum Teil übereinstimmen mit dem, was wir als unsere Welt wahrnehmen. Gleichzeitig gibt es aber auch Phänomene in der Mathematik, die nicht zu unserer Welt passen. Und die Musik ist etwas Ähnliches. Sie ist auch eine Welt für sich, die ihre eigene Nomenklatur hat, aber sie hat – im Gegensatz zur Mathematik – eben auch einen ›weichen‹ Bereich. Beiden gemeinsam aber ist, dass sie eigene Welten sind, in die man sich hinein begeben kann und für die man sich begeistern kann.

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Wer studiert Musikinformatik?

Professor Troge: Das sind oft junge Leute, die sich schwertun mit der Entscheidung, ob sie nun auf eine Musikhochschule oder eine Technische Hochschule gehen sollen. Am Institut für Musikinformatik können sie beides verbinden. Sowohl ihr Interesse für Hard- und Software, also etwa den Instrumentenbau, als auch ein Interesse an künstlerischer Tätigkeit. Wir haben auch Studierende vom KIT, die bei uns Musikwissenschaft oder Musikinformatik als Ergänzungsfach belegen. Wir haben auch regelmäßig KIT-Informatiker, so zwischen einem halben und einem ganzen Dutzend, die hier das Ergänzungsfach belegen.

Und was machen Musikinformatiker nach dem Studium?

Professor Troge: Auf dem freien Markt von der Musikinformatik zu leben ist, gerade in Europa, sehr schwierig. Wir unterscheiden den künstlerischen, wissenschaftlichen und industriellen Bereich. Manche schaffen es in eine akademische Laufbahn, das kann natürlich aber nur ein kleiner Teil sein. Kompetenzen werden aber auch zum Beispiel beim Sounddesign in der Industrie gebraucht, bekanntes Beispiel sind etwa Tür- oder Motorengeräusche in der Automobilindustrie. Ein stark wachsender Bereich ist die funktionale künstlerische Musik, etwa in Games, Environments, Filmen, gerade die Filme- und Gamesindustrie hat hier viel Potenzial. Darüber hinaus arbeiten unsere Absolventen in der Arbeit mit Behinderten, zum Beispiel der Führung von Blinden durch akustische Signale, in der Reparatur von (digitalen) Musikinstrumenten und beim Eventmanagement oder der Eventtechnik. Unser Bachelorstudiengang ist durch verschiedene Schwerpunkte gut ausbalanciert und gewährleistet die Flexibilität unserer Absolventen auf dem Markt.

Herr Professor Troge, vielen Dank für das Gespräch. (Susann Mathis )

winzenriedVor 25 Jahren, Anfang Januar 1989 gründeten Oliver Winzenried und Marcellus Buchheit in Karlsruhe die Wibu-Systems und starteten eine Erfolgsgeschichte: Mit innovativen Ideen und kontinuierlichem Wachstums hat sich Wibu-Systems zur Aktiengesellschaft gewandelt und zählt inzwischen zur Weltspitze im Markt für Softwareschutz und Lizenzierung. Eine gute Gelegenheit für das VKSI Magazin, den Gründer Oliver Winzenried im Rahmen unserer Rubrik »Karlsruher Köpfe« zu interviewen.

25 Jahre Wibu-Systems, Herr Winzenried, haben Sie eigentlich Zeit zum Feiern?

Winzenried: Wir hatten letzte Woche die Hannover-Messe Industrie, vorher das Automatisierungstreffen in Böblingen, davor die CeBIT, davor die Embedded World, davor eine große Hausmesse im Januar. Nach Ostern war ich mit Wirtschaftsminister Gabriel und seiner Wirtschaftsdelegation in China, Anfang Mai auf der Industrial Automation in Peking – so richtig viel Zeit bleibt da nicht. Dennoch kann man 25 Jahre nicht einfach so vorbeigehen lassen. Wir haben mit allen Mitarbeitern, ihren Familien, Partnern, Kunden und Freunden, also mit allen, die zum Erfolg der Firma beigetragen haben, am 2. April auf der MS-Karlsruhe bei herrlichem Wetter gefeiert.

Wie lautete vor 25 Jahren die Wibu-Gründungsidee?

Winzenried: Meinen Partner Marcellus Buchheit habe ich schon zu Studienbeginn 1981 bei den Amateurfunkern der Universität Karlsruhe kennen gelernt. Nach dem Studium haben wir beide zunächst Auftragsentwicklung gemacht, zum Beispiel elektronische Türschlösser für die Automobilindustrie aber auch Bühnensteuerungssysteme, etwa für das Thalia Theater in Hamburg und andere, doch das war alles vor Wibu-Systems. Im Laufe der Zeit entstand die Idee, dass man für Software Kopierschutz braucht. 1989 haben wir dann unser erstes Produkt auf den Markt gebracht, den Wibu-Key – ein Dongle für PCs, und daraufhin haben wir unsere Firma gegründet.

Hat Ihre Branche mehr Betriebsgeheimnisse als andere?

Winzenried: Manche sicher.

Inwieweit ist dann Zusammenarbeit möglich? Können Sie Mitarbeiter auf Zeit in Ihr Unternehmen rein holen?

Winzenried: Das geht schon, weil wir die Schutzverfahren, die wir verwenden, nicht geheim halten können. Der Kunde muss sich davon überzeugen können was er bekommt, also gegen welche Art von Bedrohungen unsere Software schützt. Er kann sich nur überzeugen, wenn wir sagen, was wir machen. Der eigentliche Schutz basiert tatsächlich auf der Länge der kryptographischen Schlüssel und auf den Verfahren selber. Die Nachweisbarkeit, dass der Schutz funktioniert, und die Demonstration des Verfahrens sind wichtige Grundlagen für unsere Kunden, Vertrauen aufzubauen. Wenn man Dinge versteckt, ist das »Security by Obscurity«, eine Pseudosicherheit, die häufig auch nicht lange hält.

Wibu-Systems macht ja auch Schutz für Embedded Systeme …

Winzenried: Nach dem Schutz für PC-Software kamen unsere Entwicklungen für den Industriebereich mit speziellen Varianten unserer CodeMeter basierten Donglehardware, die man in einem Embedded System oder einem Automatisierungssystem verwenden kann. Diese überleben auch extreme industrielle Produktionsbedingungen und man kann sie in bestehenden Systemen und Steuerungen nachrüsten. Das ist dann zum Beispiel ein Dongle als Micro SD Karte. Es handelt sich im Prinzip immer um eine Kombination aus einem Speicher und einer sicheren Verschlüsselung in einem Smartcard-Chip.
Wir bieten nicht nur Schutz vor Kopie oder Reverse Engineering. Ein weiteres wichtiges Angebot ist das Licensing, so dass bei einem Gerät, das in großen Stückzahlen einheitlich produziert wird, vor der Auslieferung an den Kunden durch die Konfiguration festgelegt wird, welche Funktionen es eigentlich hat. Wir können außerdem die Verteilung der Lizenzen in die Geschäftsprozesse vom Kunden integrieren, also die Anbindung an ein CRM- oder ein SAP-System, indem dann in der Stückliste von einem Gerät die Software realisierten Funktionen genauso mit einer Teilenummer drin stehen wie die mechanischen Teile.
Außerdem schützen unsere Produkte vor Manipulationen und Veränderungen. Das wird gerade jetzt durch die zunehmende Vernetzung von Steuerungsgeräten, etwa in der Energieversorgung oder in der Verkehrslogistik, oder auch im intelligenten Gebäude, immer wichtiger. Das macht man über eine Art elektronische Unterschrift, das heißt der Hersteller oder berechtigte Herausgeber von einem Stück Programmcode unterschreibt seinen Code und das Embedded System überprüft die Signatur. Dies stellt sicher, dass der Code nicht verändert wurde, und auch, dass er von jemandem kommt, der dazu berechtigt ist. Und nicht von einem Dritten eingespeist wurde. Vor fünf Jahren hat noch niemand nach dieser Komponente gefragt, begonnen hat es mit Stuxnet Mitte 2010.

Niemand konnte eine solche Entwicklung vor 25 Jahren absehen…

Winzenried: Das stimmt. Was wir damals vermutet haben war, dass der Einsatz von PCs sehr stark zunehmen wird und dass es daher wichtiger wird, Software zu schützen, da deren Kopie qualitativ nicht schlechter ist als das Original. Doch Sicherheit gibt es nie zu 100 %, und nie für alle Ewigkeit. Man muss immer die Algorithmen verbessern, die Verfahren verbessern und das möglichst in einer Art und Weise, dass der Kunde, der die Schutzmechanismen einsetzt, oder auch eine Schutzhardware von uns in sein Produkt integriert, nicht die Hardware auswechseln muss.

Wo begegnet man Wibu-Systems im Alltag, mal abgesehen vom PC?

Winzenried: Wenn Sie Geld abheben bei einem Geldautomaten von WincorNixdorf, ist eine Komponente von uns drin oder beim Diagnosestecker von Bosch Esi-Tronic in der Autowerkstatt, cerec, beim Zahnarzt, auch hier steckt in jeder Maschine ein kleiner CodeMeter drin. Der schützt zum einen die Geräte, um den Nachbau zu erschweren, aber auch um sicherzustellen, dass das Gerät genauso funktioniert wie es zugelassen wurde. Das verlangt nicht zuletzt das Medizinproduktegesetz.

Inwieweit war Karlsruhe wichtig für Ihre Gründung?

Winzenried: Erst im Nachhinein hat sich der Standort als sehr vorteilhaft erwiesen. Zum einen was den Zugang zu Mitarbeitern, Absolventen von der Uni, angelangt. Außerdem haben wir auch schon recht früh, etwa 1992 oder 1993 mit der Universität Karlsruhe zusammengearbeitet. Das Europäische Institut für Systemsicherheit, EISS, das Forschungszentrum Informatik, FZI, die Fraunhofer-Gesellschaft, sind alles wichtige Kooperationspartner für uns. Dazu kommen die Netzwerke wie das Cyberforum und der VKSI, die KA IT SI Sicherheitsinitiative. Hier sind wir überall Mitglied und auch aktiv.
Überhaupt sind Netzwerke extrem wichtig, gerade für eine kleine Firma. Wenn man hier das Konsortium richtig wählt, Networking betreibt, dazu inhaltlich an Lösungen arbeitet, kann man von den Kenntnissen der anderen auch profitieren. Hier ist kein im Wettbewerb, hier haben wirklich alle ihren Nutzen. Die Verbände von VDMA bis BITKOM bieten gerade auch für kleine und mittlere Unternehmen die Chance, mit den richtigen Leuten bei großen Unternehmen in Kontakt zu kommen. Karlsruhe liegt auch verkehrsgünstig zwischen Paris, Brüssel, Hamburg und Berlin. Auch die Stadt selbst ist sehr engagiert. Vor vielen Jahren war ich mit der Wirtschaftsförderung in Finnland, als Nokia noch sehr erfolgreich war.

Nun ist Wibu-Systems aber nicht nach Finnland, sondern nach China gegangen…

Winzenried: 2003 haben wir ein Büro in Shanghai eröffnet, 2005 haben wir daraus eine Tochtergesellschaft gemacht, aber wir haben bis 2011 gebraucht, bis wir in China schwarze Zahlen geschrieben haben. Aber ich bin auch heute noch überzeugt: man kann dort nicht hingehen und innerhalb kurzer Zeit erfolgreich sein. Das funktioniert höchstens dann, wenn man lediglich seinen bestehenden Kunden folgt. Unser Ziel war aber, in China unsere Produkte chinesischen Kunden zu verkaufen. Und das hat lange gedauert. Aber jetzt macht es viel Spaß, und wir haben inzwischen auch ein zweites Büro in Peking.

Sie sind oft selber in China, wie gefällt es Ihnen?

Winzenried: Ich bin dort vier- bis sechsmal pro Jahr, und ich bin gerne dort. Die Zusammenarbeit mit den Mitarbeitern dort macht mir Spaß, ebenso die Gespräche mit den Kunden und das Essen schmeckt mir. Das einzige, was mir nicht gefällt, ist die Luftverschmutzung, dauerhaft dort leben wollte ich nicht. Im Karlsruher Verbindungsbüro der Außenhandelskammern hatte ich etwas chinesisch gelernt, ich spreche etwa 200 Worte, das reicht für Höflichkeitsfloskeln, aber noch nicht für Smalltalk. Ansonsten muss das Smartphone helfen und kann schnell ein Zeichen entschlüsseln oder man kann jemandem ein Zeichen zeigen.

Was sind die wichtigsten Höflichkeitsregeln in China?

Winzenried: Ich denke, wir Ausländer dürfen auch Fehler machen. Nur ganz grobe grundsätzliche Fehler sollte man vermeiden. Bei uns in Deutschland etwa lässt man bei Trainings oder Schulungen die Leute bewusst in Fehler hineinlaufen, damit sie selber sehen, »Oh ja, das habe ich falsch gemacht«. Danach zeigt man ihnen, wie es richtig geht. Das würde man in China nicht so machen, denn dann hätten alle Angst mitzumachen, weil sie sich keine Blöße geben wollen.

Was haben Sie durch Ihre Auslandserfahrung über den deutschen Markt gelernt?

Winzenried: Der deutsche Markt ist sehr professionell, sehr strukturiert, man betrachtet Entscheidungen hier viel langfristiger als in anderen Märkten. In Deutschland denkt man mehr mittel- bis langfristig und auch mehr nutzen- und weniger preisgetrieben. Das gilt auch für Österreich und die Schweiz. Für uns ist Deutschland ein toller Markt, noch dazu ist er direkt vor unserer Haustür. In Asien ist der Aufbau einer persönlichen Beziehung unerlässlich zur Vertrauensbildung.

Wie geht es bei Wibu-Systems in den nächsten 25 Jahren weiter?

Winzenried:  Wir haben für die nächsten 5-6 Jahre das Ziel, 25 % Weltmarktanteil in unserem Nischenmarkt zu bekommen. Das bedeutet ein starkes Wachstum, aber das ist nicht unrealistisch. Außerdem wollen wir CodeMeter als eine Art De-Facto-Standard etablieren. Der Erfolg der letzten 25 Jahre hat uns gezeigt: Wenn man selber von etwas wirklich überzeugt ist, soll man sich nicht davon abbringen lassen.

Lieber Herr Winzenried, vielen Dank für das Gespräch. (Susann Mathis)

prof_lockemann1972 wurde in Karlsruhe die Fakultät für Informatik gegründet, im gleichen Jahr trat auch Peter Lockemann seine Professur in Karlsruhe an. Das Leben des 1935 geborenen Lockemanns ist durchgängig eng mit der Entwicklung der Disziplin Informatik verbunden – auch wenn diese am Anfang noch gar nicht so hieß. Er hat – unter anderem – das FZI mitgegründet, über hundert wissenschaftliche Artikel und vier Lehrbücher geschrieben, er hat regelmäßig Gastprofessuren im Ausland und Berateraufgaben für Ministerien wahrgenommen und zehn seiner Studenten sind heute selber Professoren. 2005 wurde Lockemann das Verdienstkreuz am Bande verliehen, die Frankfurter Johann Wolfgang Goethe-Universität verlieh ihm 2003 für seine Verdienste in der Forschung und als Förderer des Wissenstransfers in die Unternehmenspraxis die Ehrendoktorwürde. Ich treffe ihn in seinem Büro im Forschungszentrum Informatik, wo er dem VKSI-Magazin einige Fragen beantwortet.

Herr Professor Lockemann, wann und wie sind Sie während Ihres Studiums der Nachrichtentechnik zur Rechnertechnologie gekommen?

Lockemann: Als Robert Piloty frisch habilitierter Privatdozent in München war, hörte ich 1956, während meines Studiums der Nachrichtentechnik, seine Vorlesung über die Grundzüge der Rechnertechnik von. Als Deutschland 1954 erlaubt wurde, Forschungsprogramme im Bereich Rechnertechnologie einzurichten, entwickelte sein Vater Hans Piloty zusammen mit dem Mathematiker Robert Sauer an der TH München die PERM (Programmgesteuerter Elektronischer Rechenautomat München). Die PERM wurde lange Jahre im Rechenzentrum der TH München und bei der Ausbildung von Entwicklungsingenieuren für die deutsche Computerindustrie benutzt. Heute steht sie im Deutschen Museum in München. Ich habe als Werkstudent dort erst mal Schaltkreise verlötet und Magnetköpfe für den Trommelspeicher zusammengebaut , meine Diplomarbeit zum Magnetkernspeicher gemacht, promoviert habe ich dann in Transistortechnik.

1963 sind Sie nach der Kalifornien ausgewandert, um dort am Caltech zu arbeiten. Das California Institute of Technology, gehört laut diversen Rankings zu den zehn besten Universitäten der Welt. Womit haben Sie sich dort beschäftigt?

Lockemann: Das waren prägende Jahre. Zum einen bin ich erst dort mit der Softwaretechnik – naja, das war eigentlich noch Programmierung – in Berührung gekommen. Zum zweiten gab es dort gar keine Computer Science, sondern ein »Information Science«-Programm, das anwendungsgetrieben war. Zunächst habe ich in einer Gruppe gearbeitet, die Biosignale ausgewertet hat: Wir haben Experimente mit Sonden in Fliegenaugen durchgeführt und schon damals große Datenmengen produziert und ausgewertet. Später wechselte ich in eine sozialwissenschaftliche Gruppe, die Sprachwissenschaft in Verbindung mit der Auswertung anthropologischer Daten betrieb. So bin ich mehr oder weniger zufällig in die Datenbanktechnik geraten. Wir haben viel experimentiert und waren eine der ersten, die RecoveryTechniken und einen softwarebasierten virtuellen Speicher entwickelten. Unser Datenbanksystem war graphbasiert – damals nicht unüblich, aber erst heute wieder aktuell. Doch unsere Ansätze haben zu wenig Leistung gebracht. Rückblickend wäre das die Zeit gewesen, zu IBM zu wechseln.

Nach sieben Jahren sind Sie 1970 dann doch wieder zurück nach Deutschland gegangen.

Lockemann: Meiner Frau und mir hatte es in Kalifornien sehr gut gefallen, doch die Kinder waren klein und wir wollten eine klare Entscheidung für ihre Schulzeit treffen. In Deutschland habe ich dann in Bonn bei der GMD (damals: Gesellschaft für Mathematik und Datenverarbeitung mbH) gearbeitet und war involviert in ein Projekt zur Entwicklung eines juristischen Informationssystems. Dieses Fachinformationssystem stellte die Gesetzeslage und die Urteile für Juristen in einem »Information Retrieval System« zusammen und – darauf bin ich durchaus stolz – existiert heute noch. Von Karlsruhe erhielt ich dann die Aufforderung, mich um den Lehrstuhl Programmiersprachen zu bewerben. Das habe ich allerdings abgelehnt, aber Universitäten waren von jeher flexibel, und wir haben uns auf eine Widmung in Richtung Datenbanken geeinigt.

Sie haben in einer Zeit in der Informatik begonnen, als dieses Fachgebiet noch ganz jung war und Experten noch alle Teildisziplinen überblicken und durchschauen konnten…

Lockemann: … hier sollte man sich keine Illusionen machen, diese Phase ging sehr schnell vorbei. Schon als ich Anfang der Siebzigerjahre nach Karlsruhe kam, war das Gebiet so breit, dass man nicht mehr überall in die Tiefe gehen konnte. Sowohl in Deutschland wie auch in den USA hat man sich allerdings schwergetan, diese Disziplin zu akzeptieren. In den Vereinigten Staaten zum Beispiel war Computer Science, wie dort Informatik hieß und immer noch heißt, viel enger aufgestellt. Mein Bereich, Datenbanktechnik, war lange Zeit nicht einmal Teil der Computer Science sondern bei den Business Schools mitgelaufen. Ich selber bin durch meine Erfahrungen mit Anwendungen geprägt worden und habe diese auch immer gesucht. Später waren dies vor allem Produktionstechnik, Elektronikentwurf, Verkehrswesen und Gebäudearchitektur. Ich habe deshalb immer stark interdisziplinär gearbeitet. Ich habe mich auch nicht als reinen Technologen gesehen. Neue Anwendungen bedürfen aber natürlich auch neuer Technologien, und ich hatte auch immer Mitarbeiter, die sehr erfolgreich diese Technologien entwickelten. Vielleicht wäre es korrekter zu sagen, dass ich eine Neigung zu top-down Vorgehen habe. Ich habe deshalb den Datenbankbereich immer als Softwaretechnik verstanden und dort als ausgesprochene Systemtechnik. Ähnlich wie bei Betriebssystemen habe ich Architekturfragen als zentral gesehen.

Um welche Probleme zu lösen?

Lockemann: Nichtfunktionale Kriterien wie Performanz haben über 30 Jahre lang die Datenbankarchitektur dominiert, genauer die Langsamkeit des Hintergrundspeichers im Vergleich zum Hauptspeicher. Auf diesem Missverhältnis bauten die Architekturfragen auf, also: Wie lässt sich die Zugriffslücke überbrücken, so dass sie in der Anwendung nicht in Erscheinung tritt? Und so wie die Bedarfe gewachsen sind, so ist auch das Problem größer geworden. Die Übertragungsrate von der Platte in den Hauptspeicher hat sich von etwa 1 MB/s 1970 auf etwa 250 MB/s 2010 gesteigert. Heute beträgt die Zugriffslücke etwa 106, so stark unterscheiden sich heute die Geschwindigkeiten beim Zugriff auf Hauptspeicher und Hintergrundspeicher (Platte). Nun hat mit der Marktreife der SSD ein ganz neues Kapitel begonnen.

Dazu kamen über die Jahre Gastprofessuren am CalTech und am MIT, und Beraterfunktionen bei Wirtschaft und Ministerien und – für Karlsruhe besonders bedeutend – 1985 gründeten Sie gemeinsam mit mehreren Kollegen das Forschungszentrum Informatik Karlsruhe (FZI), waren dann lange Zeit dessen Vorstand (daher Ihr Spitzname »Mister FZI«). Was war Ihr wichtigstes Motiv dafür?

Lockemann: Um es mit dem modernen Slogan des KIT zu sagen: Innovation. Innovation ist der Transfer von Forschungsergebnissen in die wirtschaftliche Nutzung. Das Ziel des Forschungszentrums Informatik war und ist der Technologietransfer von der Forschung in der Karlsruher Informatik in die Wirtschaft. Wir waren damals acht Professoren, und hatten rein altruistische Motive, wenn man mal davon absieht, dass wir uns natürlich über zusätzliche Ressourcen für die Forschung gefreut haben. Für jeden persönlich bedeutete das aber viel mehr Arbeit.

Sind Sie mit der Entwicklung des Forschungszentrums Informatik zufrieden?

Lockemann: Ich bin ja nur noch – wenn auch sehr engagierter – Beobachter. Ich bin begeistert, was die jungen Kollegen in den letzten Jahren daraus gemacht haben. Ich hatte am Ende eine neue und wie es scheint schlagkräftige Organisation umgesetzt. Zunächst war das FZI auf einzelne Professoren zugeschnitten, heute gibt es vier große, kollegial geführte Forschungsbereiche, die sich als eine sehr gutes Basis für Wachstum erwiesen haben. Inhaltlich hat sich das Bild seit der Jahrtausendwende komplett geändert. Angefangen haben wir mit »Informatik für die industrielle Produktion«. Heute ist das FZI viel breiter aufgestellt – kein Wunder, wenn man bedenkt, dass Informatik heute in alle Lebensbereiche eindringt. Ich kann das an meiner eigenen Disziplin sehen, wo sich unter dem Stichwort »Big Data« sich vollkommen neue Herausforderungen herausbilden: eine enorme Informationsmenge im Web, relativ unstrukturiert und textorientiert, dazu embedded systems, die Datenströme überall erfassen, und schließlich die globale Verteilung der Daten

Welche Schwierigkeiten musste das FZI dabei überwinden?

Lockemann: Natürlich hat das Forschungszentrum Informatik das Auf und Ab der Wirtschaft mitgemacht, übrigens immer etwas zeitverzögert. Anfangs kamen unsere Kunden aus den F. & E. Abteilungen der Großunternehmen. Als diese Anfang der Neunzigerjahre sukzessive abgebaut wurden, hat das Forschungszentrum Informatik sich extrem stark auf den Mittelstand konzentriert. Das hat uns damals zwar politisch großes Lob eingebracht, uns aber auch behindert, da wir sehr viel Zeit für die Akquise aufwenden mussten. 2002 hat uns das in echte Schwierigkeiten gebracht. Die bieten aber eben auch Chancen und die wurden – auch dank des Generationenwechsels – hervorragend genutzt. Mit seinen klar gesetzten inhaltlichen Schwerpunkten hat sich das Forschungszentrum Informatik deutlich als Zentrum für Innovationen im IT-Bereich positioniert. Somit ergänzt es sich hervorragend mit der Fakultät für Informatik und ist heute weit über die Grenzen von Baden-Württemberg hinaus anerkannt.

Vor 40 Jahren wurde die Fakultät gegründet, vor 40 Jahren haben Sie Ihre Professur angetreten – und Sie sind unver- ändert präsent in der IT-Szene. Womit beschäftigen Sie sich heute vor allem?

Lockemann: Mir bleibt viel Zeit für Privates, zum Beispiel beschäftige ich mich mit der Sprachförderung in BrennpunktKindergärten und ich reise mit meiner Frau viel in der Welt herum. Aber auch wenn ich vielleicht manchmal bedauern mag, dass ich mich zu früh und zu stark auf die Anwendungen der Informatik konzentriert habe, so habe ich doch einige Themen gefunden, die mich weiter faszinieren, aktuell sind das etwa über das Cyberforum die Projekte Smarter City der Stadt Karlsruhe und Smart Business IT des Landes. Um bei einem Projekt wirklich in die Tiefe zu gehen, braucht man ein großes Forschungsteam und das habe ich nicht mehr. Was ich dagegen kann, ist Projektideen entwickeln und mich an der Entwicklung der großen Linie beteiligen, und da bringe ich mich immer noch im FZI ein. Es erstaunt mich vielleicht selbst am meisten, aber es ist wahr: so schnell veralten Erfahrungen dann eben doch nicht.

Professor Lockemann, herzlichen Dank für dieses Gespräch!

wilfried_stuckyAlles begann, als Professor Stucky den Stiftungslehrstuhl für Organisationstheorie und Datenverarbeitung (Mittlere Datentechnik) in Karlsruhe übernahm. Inzwischen sind 40 Jahre vergangen, in denen Professor Stucky das AIFB mit gründete und eine so große Zahl wirksamer Aktivitäten initiierte, dass er dafür (nicht nur) das Bundesverdienstkreuzes 1. Klasse bekam. Obwohl inzwischen emeritiert, arbeitet er nicht weniger. »Mein Hobby ist mein Beruf«, sagt er dazu nur. Dem VKSI Magazin stand er trotzdem für ein Interview zur Verfügung.

Herr Professor Stucky, Sie haben in Saarbrücken Mathematik studiert, wie sind Sie in den 60er Jahren zur Informatik gekommen?
Stucky: Den Kontakt zur Informatik stellte ich schon während meiner Zeit als wissenschaftlicher Mitarbeiter am Institut für angewandte Mathematik her. Mein Doktorvater, Professor Hotz, war einer der Gründer der Gesellschaft für Informatik (GI) und nahm gleich alle seine Mitarbeiter in diese Gesellschaft mit. Daher habe ich auch eine sehr niedrige, nämlich zweistellige Mitgliedsnummer.

Wie kamen Sie nach Karlsruhe?
Stucky: In den 1970er Jahren arbeitete ich mehrere Jahre als Biometriker in der pharmazeutischen Industrie, erst bei Böhriner, dann bei Merck. Parallel dazu übernahm ich dann im August 1971 nebenamtlich die Leitung des Stiftungslehrstuhls für Organisationstheorie und Datenverarbeitung (Mittlere Datentechnik) in Karlsruhe. Fünf Jahre später wurde ich zum Lehrstuhlinhaber der Angewandten Informatik 2 berufen, nachdem 1975 der Lehrstuhl, nach einigen Verzögerungen, vom Land übernommen worden war

Im Februar kommenden Jahres feiert das AIFB seinen vierzigsten Geburtstag, es entstand also noch vor der Fakultät für Informatik, und zwar im Bereich Wirtschaftswissenschaften, der damals noch zur Fakultät für Geistes- und Sozialwissenschaften gehörte. Wie kam es dazu?
Stucky: Als seine Vorläufer gelten zwei Lehrstühle: der zunächst von Professor Heinrich und ab 1971 von mir besetzte Stiftungslehrstuhl für Organisationstheorie und Datenverarbeitung (Mittlere Datentechnik) und der ab 1971 mit Professor Maurer besetzte Lehrstuhl Angewandte Informatik. Auch wenn wir damals noch nicht ahnen konnten, wie wichtig die Informatik einmal werden würde, hatten wir durch unserer Beschäftigung mit Datenverwaltung und Datenbanksystemen einen großen Bedarf analysiert, nicht die speziellen Systeme eines Softwareherstellers, etwa von IBM, zu lehren, sondern die zugrundeliegenden Konzepte und Modelle allgemein. Dazu gehören die Modellierung von Daten und die Prozessmodellierung mit formalen Methoden. Aus diesen Vorlesungen entstand dann auch das Buch »Datenbanksysteme: Konzepte und Modelle«, das Gunter Schlageter und ich gemeinsam veröffentlicht haben. Wir sind das Informatik-Institut der Fakultät für Wirtschaftswissenschaften. Die Rolle des AIFB sehen wir darin, dass wir unseren Studentinnen und Studenten vor allem die grundlegenden Konzepte der Informatik nahebringen; und das trifft auch heute noch den Kern.

Sie waren zweimal Dekan der Fakultät für Wirtschaftswissenschaften, Sie waren im Senat und Verwaltungsrat der Universität Karlsruhe, Sie waren im Präsidium der Gesellschaft für Informatik, zeitweise sogar deren Präsident, Sie nehmen vielfältige Ämter für die GI in verschiedenen Organisationen wahr. Außerdem haben Sie den gemeinnützigen Verein Angewandte Informatik Karlsruhe e.V. (AIK), gemeinsam mit Absolventen und Mitarbeitern des 6 VKSI Magazin Nr. 5 November 2011 Instituts AIFB gegründet und sind seither dessen Kuratoriumsvorsitzender. Dazu kommen Berufungskommissionen, Evaluierungsgremien und vieles mehr. Doch die Liste allein sagt noch nicht viel darüber aus, wie stark Sie gestaltend gewirkt haben, was nicht zuletzt durch das Bundesverdienstkreuzes 1. Klasse honoriert wurde. Seit Ende der 1990er Jahre sind Sie auch am Forschungszentrum Informatik, inzwischen zum wiederholten Male in dessen Vorstand. Was ist das Besondere am FZI für Sie?
Stucky: Das Forschungszentrum Informatik ist insgesamt eine umfassende Erfolgsgeschichte, inzwischen seit über 25 Jahren. Doch unser ganz herausragendes Alleinstellungsmerkmal ist die gelebte Interdisziplinarität. Die Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter von etwa 20 Professoren aus vier verschiedenen Fakultäten des KIT arbeiten tatsächlich im gleichen Gebäude und treffen sich nicht nur zum Meeting, sondern begegnen sich ganz bequem, etwa zum Kaffeetrinken. Diese enge Zusammenarbeit realisiert eine wahre Interdisziplinarität bei unseren Projekten.

Im August dieses Jahres war sie mit dem Vorstandskollegen Michael Flor und Ihrem Nachfolger Professor Oberweis zehn Tage lang in China. Was macht das FZI in China?
Stucky: Wir waren auf Einladung von D-Phone, Chinas größter Handyfirma, und BIT, dem Beijing Institute of Technology, in China. Professor Shenqing Yang, mein erster chinesischer Doktorand, hat nach seiner Rückkehr nach China den Kontakt aufrechterhalten und über die Jahre weitere Partner einbezogen. Das Thema unseres diesjährigen Besuches war die Einrichtung einer deutsch-chinesischen Informatikindustriezone. Das Interesse auf chinesische Seite ist daran sehr groß. Außerdem interessiert sich das BIT sehr für das »Konzept FZI« als Grundlage einer stark anwendungsorientierten Forschung. Für uns ging es bei diesem Besuch um die Frage, inwieweit wir uns eine Zusammenarbeit auch vorstellen können. Denn eines ist sicher: wir treffen in China auf sehr viele junge intelligente und gut ausgebildete Menschen. Nicht nur unter diesem Aspekt kann die Zusammenarbeit mit China für uns vielversprechend sein.

Professor Stucky, Sie sind emeritiert, doch Sie reisen nach China, Sie haben verschiedene Projekte unter Ihrer Regie, wie zum Beispiel E-Business für Dienstleistung bei Instandhaltung oder auch auf EU Ebene ein Projekt zu und Bewertung von Qualifizierungen. Die Frage nach Ruhe erübrigt sich also, sagen Sie uns also lieber: was haben Sie als nächstes vor?
Stucky: Es ist wahr, ich bin kein Skifahrer und kein Tennisspieler. Aber meine Frau und ich wandern gerne. Außerdem besuchen wir gerne Konzerte und die Oper. Für dieses Hobby begeistern wir zunehmend auch unsere beiden Enkelinnen, die 10 und 12 Jahre alt sind. Aber das sind noch keine Gründe, mich weniger mit der Informatik zu beschäftigen. Wer weiß, vielleicht bringe ich auch noch die dritte Auflage unseres Buches über Datenbanksysteme heraus. Professor Stucky, herzlichen Dank für das Gespräch.

Titelseite VKSI-Magazin #11Das VKSI Magazin 11 im Januar 2015 widmet sich einem besonderen IT-Thema und gleichzeitig einer Karlsruher Besonderheit: Musik-Informatik an der Musikhochschule Karlsruhe. Dazu stellen wir in unserer Serie “Karlsruher Köpfe“ den Gründer des Instituts, Prof. Dr. Thomas A. Troge, vor. Im Interview mit Susann Mathis spricht er über Programmieren, Komponieren und Kreativität. Im „Karlsruher Softwaregespräch“ erläutern zwei Mitglieder der Live Coding Laptop Band „Benoît and the Mandelbrots“, wie sie mit der Sprache SuperCollider auf der Bühne improvisieren. ♦ Die Hochschule ♦ Das Computerstudio ♦ Der Professor ♦ Die Band ♦ Der Sound ♦ Die Live Coding Szene

Das Thema wird live auf dem Entwicklertag im Mai 2015 fortgeführt: Professor Troge wird auf dem nächsten Entwicklertag eine Keynote halten und von Benoît and the Mandelbrots werden wir auf dem Entwicklertag im Mai 2015 ein Konzert hören.

  • Außerdem stellt Stefan Hellfeld das „House of Living Labs“ des Forschungszentrums Informatik FZI vor
  • Christoph Schlenzig und Sabrina Merkel von Seven2one präsentieren mit SmartEnergyHub eine Business Intelligence Lösung für Smart Energy Geschäftsmodelle.
  • Und Professor Walter Tichy beschreibt eine erstaunliche Erfolgsserie: Schon seit Wintersemester 2011/2012 hat das Institut die Pflichtveranstaltung „Praktikum der Softwareentwicklung“ so gestaltet, dass das Praktikumsergebnis zu einem Wettbewerb, dem „Imagine Cup“, eingereicht werden kann und produziert seither à gogo Gewinner.
  • Neuigkeiten zur Nachwuchsförderung:
    • Das informatikBOGY sucht für die vielen Schülerinnen und Schüler, die sich für Informatik interessieren, weitere Kooperationsunternehmen für die einwöchigen Praktika.
    • Dirk Fox beschreibt mit der Karlsruher Technik-Initiative ein Projekt zur Förderung der Technik-Kompetenz an Karlsruher Schulen.
  • Am Schluss lästert Matthias Hornberger, der Vorstandsvorsitzende des Cyberforums, in seiner Kolumne Cybertrends anschaulich über das Wort „Existenzgründer“. Warum? Die Antwort lesen Sie auf Seite 27 im VKSI Magazin 11.

Viel Vergnügen bei der Lektüre, entweder des gedruckten Magazins (liegt aus), der Online-Click-Ausgabe oder des PDFs: VKSIMagazin#11 141204-8 Web wünscht Ihnen Susann Mathis