Allgemein

Ein Team aus 4 Studierenden der Hochschule Karlsruhe gewann den diesjährigen HackZurich - Europas größten Hackathon. Das Team setzte sich in 3 Tagen und 2 Nächten gegen eine hochklassige Konkurrenz durch.

Die 4 Wirtschaftsinformatiker konnten die Jury mit ihrer Anwendung zur Unterstützung von Rettungskräften im Notfall überzeugen und gewannen so den mit 5000 SFR dotierten Preis.

Herzlichen Glückwunsch an das Team!

Mehr Informationen unter https://www.hs-karlsruhe.de/presse/studentisches-team-der-hochschule-karlsruhe-gewinnt-hackzurich-europas-groessten-hackathon-mit-5-000-bewerbern-und-mehr-als-500-teilnehmern/

Vortragsraum
VKSI Sneak Preview: Big Data implements Datenschutz?

In der Sneak Preview mit dem kontroversen Titel "Big Data implements Datenschutz" wurden zwei hochaktuelle Themen der IT diskutiert: Die Verarbeitung großer Datenmengen aus der Besuchsanalyse von Webseiten in Echtzeit sowie der Themenkomplex Europäische Datenschutzgrundverordnung mit Änderungen am Bundesdatenschutzgesetz. Beide Vorträge werden als Videoaufzeichnung zur Verfügung gestellt.

Real Time Analytics – In Echtzeit Web Traffic analysieren

Referenten: Manfred Weber und Dominik Smasal, 1&1

Manfred Weber und Dominik Smasal, 1&1, Real Time Datenverarbeitung

Datenschutzgrundverordnung (DSGVO)

Referent: Timo Schutt, Rechtsanwalt und Fachanwalt für IT-Recht Timo Schutt, Partner der Kanzlei Schutt, Waetke Rechtsanwälte

Rechtsanwalt und Fachanwalt für IT-Recht Timo Schutt, Partner der Kanzlei Schutt, Waetke Rechtsanwälte

Auf der gut besuchten Veranstaltung mit anschließender Netzwerkrunde bei Getränken und Brezeln kamen rege Diskussionen während und nach der Veranstaltung auf.

Unterstützung

Logo des DIZ | Digitales Innovationszentrum
DIZ | Digitales Innovationszentrum

Die Veranstaltung fand mit Unterstützung durch das DIZ | Digitales Innovationszentrum statt. Ziel des DIZ ist es, den Mittelstand in Baden-Württemberg und die Landespolitik im digitalen Wandel zu unterstützen. Das Vorhaben wird unterstützt vom Ministerium für Wirtschaft, Arbeit und Wochungsbau BW.

Klaus Tschira
(c) Tim Wegner

Ein Nekrolog beginnt naturgemäß mit dem Ende: Tschira starb am 31. März 2015 unerwartet an einem Herzinfarkt. Doch sein Schaffen und nicht zuletzt seine Stiftungen werden ihn noch lange überdauern. Nach Abitur und Physik-Studium in Karlsruhe arbeitete der 1940 in Freiburg geborene Tschira von 1966 bis 1972 als Systemberater bei IBM in Mannheim. 1972 war Tschira einer der fünf Gründer der Systemanalyse und Programmentwicklung GbR in Weinheim, aus der 1988 die SAP AG hervorging. 26 Jahre später wechselte er in deren Aufsichtsrat. Seit diesem Rückzug aus dem SAP-Tagesgeschehen war Tschira als Mäzen und Förderer tätig. Der Wein- und Musikliebhaber und zweifache Familienvater kochte gerne, so kann man lesen, und ließ anscheinend nie jemanden im Regen stehen. Sein unerwarteter Tod rief viele bestürzte Reaktionen hervor. Bewundernde, liebevolle und traurige Nachrufe haben sein Leben, seine Leistungen und seine Persönlichkeit ausführlich gewürdigt, im Folgenden zitieren wir einige Auszüge: 

Der Software-Milliardär:

David Jolly, New York Times: »Klaus E. Tschira, whose pioneering role in the business software revolution made him one of Germany’s richest men, died on Tuesday in Heidelberg. He was 74. (…) »We wanted to develop the software within IBM,« Hasso Plattner, one of Mr. Tschira’s colleagues at the time, said in an interview. »But the conditions weren’t right. Management probably didn’t see the potential.« (…) So Mr. Tschira, Mr. Plattner and three other colleagues — Dietmar Hopp, HansWerner Hector and Claus Wellenreuther — left IBM to develop the software on their own. They formed a company called SAP, short for Systems, Applications and Products in Data Processing. (…) »We had no computer of our own, so we had to work on customers’ computers, usually at night,« Mr. Plattner said. »That was stressful.« (…) Though it was »a team effort,« Mr. Plattner said, Mr. Tschira played a major role in developing all three of those products and led the development of software used by human resources departments to manage hiring, payroll processing and employee records.«

Der Kommunikator:

Bei der Gründung des Nationalen Instituts für Wissenschaftskommunikation (NaWik) sagte Klaus Tschira am KIT: »Ich bin fest davon überzeugt, dass die Wissenschaft eine Bringschuld hat, der Öffentlichkeit ihre Erkenntnisse und Denkweisen näherzubringen.« Prof. Dr. Carsten Könneker, Chefredakteur Spektrum der Wissenschaft schreibt: »... gründeten die Klaus Tschira Stiftung und das Karlsruher Institut für Technologie 2012 das NaWik, dessen Kooperationspartner von Beginn an der Verlag Spektrum der Wissenschaft war. Auch wenn ihm Wertschätzung für Wissenschaft sehr am Herzen lag, war Klaus Tschira nicht darauf aus, die Gesellschaft aus allen Kanälen gleichsam mit Forschung zu beschallen. Marketing und eine überzogene Darstellung von Errungenschaften der Wissenschaft, wie sie regelmäßig zu lesen, zu hören und zu sehen sind, waren sein Ding nicht.«

Der Astronom:

Wegen seines Engagements im Rahmen der Entwicklung des Kleinsatelliten DIVA wurde im Jahr 2000 ein Asteroid nach ihm benannt. Markus Pössel, www.haus-der-astronomie.de, schreibt: »Klaus Tschira saß stets ein jungenhafter Schalk im Nacken. Unumwunden erzählte er jedem, wie er als Schüler von seinen Karlsruher Klassenkameraden »Planetenheini« gerufen wurde, weil er sich brennend für Astronomie und Naturforschung interessierte. Wohl auch aus dieser Erfahrung heraus setzte sein späteres Engagement für die Wissenschaftskommunikation bereits im Kindergarten an. So gründete er die Forscherstation, welche bereits viele Erzieher sowie Grundschulpädagogen fortbildete (...) Doch er baute auch gerne: »Etwa das spektakuläre Haus der Astronomie am Max-Planck-Institut für Astronomie in Heidelberg, welches der Spiralgalaxie M51 nachempfunden ist. Oder – ganz aktuell – die »ESO Supernova« in Garching, die 2017 eröffnet werden soll.«

Der Gründer und Mäzen:

Bereits 1995 hatte Tschira die Klaus Tschira Stiftung in Heidelberg gegründet, die sowohl Schüler für Naturwissenschaften und Informatik begeistern als auch Spitzenforscher unterstützten sollte. Sie ist bis heute eine der größten Stiftungen Deutschlands. Später kam das European Media Laboratory als Institut für angewandte Informatik hinzu. »Klaus Tschira war ein Mäzen, der seine lebenslange Leidenschaft für die Naturwissenschaften in unzählige Projekte gegossen hat«, sagte Baden-Württembergs Wissenschaftsministerin Theresia Bauer (Grüne). Er sei stets unprätentiös und auf die Sache konzentriert gewesen. »Wir sind ihm zu großem Dank verpflichtet. Seine prägenden Beiträge für die Wissenschaft werden wir sehr vermissen«, sagte Bauer. Seinem finanziellen Engagement ist es beispielsweise zu verdanken, dass das Deutsche Museum den Nachlass von Konrad Zuse erforschen kann, den Tschira der Familie Zuse abgekauft hatte. Mit der Gerda und Klaus TschiraStiftung kaufte er dem Freistaat Sachsen die Wilhelm-OstwaldGedenkstätte ab, um sie als »Denkstätte« für Biologen und Chemiker zu betreiben.«

Dietmar Hopp sagte über seinen verstorbenen Freund: »Auch in kritischen Phasen verlor er nie den Blick für das Wesentliche und Aufgeben war nie eine Option für ihn – das hat ihn für uns alle so wertvoll gemacht.«

Susann Mathis

Wenprof_trogen heute davon die Rede ist, dass Informatik alle Bereiche des Lebens durchzieht, dann folgen Beispiele wie: Software und Datenbanken sind zum zentralen Wirtschaftsgut der meisten Firmen geworden. Der Computer auf vier Rädern ist ein Automobil. Der Computer auf meinem Schreibtisch ist Teil eines gigantischen Geheimdienstapparats. Aber bislang nur selten stellt man sich die Frage, ob ein Orchester etwa ein musizierender Computer sein kann.

In Karlsruhe kann man dieser Frage auf den Grund gehen: An der Hochschule für Musik existiert ein weltweit einzigartiges Institut für Musikinformatik. Ein Institut, in dem nicht einfach erforscht und gelehrt wird, wie man mit Soft- und Hardware Musikerinnen und Musiker unterstützt, sondern ein Institut, in dem die Auffassung vertreten wird, dass das Programmieren eine dem Komponieren gleichwertige kreative Tätigkeit ist. Gründer des Instituts ist Professor Dr. Thomas A. Troge. Er studierte, parallel zu seinem Musikstudium, an der Universität Karlsruhe Ingenieurwissenschaften. Nach seiner Promotion baute Troge sein eigenes Forschungsbüro auf. In seinem wei- ßen Büro im schwarzen Neubau der Musikhochschule treffe ich ihn zum Interview.

Herr Professor Troge, wie wurde aus Ihrem Forschungsbüro ein Institut der Musikhochschule?

Professor Troge: Bei der Gründung des ZKM wurde ich von der Stadt Karlsruhe als Berater angeworben. In diesem Zusammenhang entstand an der Musikhochschule das Bedürfnis, eine Kooperation mit dem ZKM aufzubauen. Ich selber bin Pianist, habe aber auch schon erstmals ab 1972 versucht, am Computer Musik zu machen. Das ab 1989 an der HfM von mir aufgebaute Fach »Musikinformatik« – seit 2004 als Institut für Musikwissenschaft und Musikinformatik IMWI – wurde so benannt, um den Unterschied zu verwandten Angeboten wie etwa »Computermusik« oder »Music Technology« zu verdeutlichen.

An anderen Orten wird das Fach eher technisch orientiert gelehrt. Was ist das Besondere an der Musikinformatik in Karlsruhe?

Professor Troge: An anderen Universitäten sind vergleichbare Angebote in der Regel an den technischen Fakultäten angesiedelt. Dort wird das Fach im Prinzip als Informatik unterrichtet und man belegt ein paar zusätzliche Musikfächer, meistens sogar dann an einer anderen Hochschule. In Karlsruhe dagegen studiert man an der Staatlichen Hochschule für Musik, also einer Kunsthochschule. Hier ist die Musik das Dominierende, unsere Studierenden studieren in ständigem Kontakt zu Musikern aller Fächer. Wir versuchen, auch schon im Bachelorstudium, sehr breite Grundlagen zu legen und trotzdem schon gewisse Vertiefungsrichtungen anzubieten wie z. B.: Sonic Arts/Composition, Software for Creativity und den großen Bereich Audio-/Mediengestaltung, letzteres wollen wir umbenennen in »Künstlerische Medienproduktion«. Wichtig ist in diesem Zusammenhang auch, dass wir ein exzellent ausgestattetes Computerstudio und außerdem seit knapp zwei Jahren einen hervorragenden Multimediasaal in der Hochschule haben.

Und wie unterscheiden Sie sich im internationalen Vergleich?

Professor Troge: Zum einen durch eben diese Konzeption unserer Studiengänge. Wir kommen vom Künstlerischen her und machen uns die Informatik zum Werkzeug; zum anderen fragen wir umgekehrt auch, inwieweit sich die Musik informationstheoretisch betrachten lässt. Weltweit einzigartig ist auch, dass unser Studiengang wirklich alle Bereiche der Musikinformatik beinhaltet, von der ‚banalen’ digitalen Audiotechnik bis zur Frage, ob ein Computersystem eines Tages auch zu etwas Ähnlichem wie »künstlerischer Kreativität« fähig sein kann oder nicht. Die anderen Studiengänge, etwa in den USA oder in Frankreich, heißen etwa »Computer Music« oder »Music Technology« oder drücken auf andere Art und Weise aus, dass es sich bei der Musik um eine Ergänzung handelt. Oder man kann das Fach Computermusik belegen, dieses beinhaltet dann allerdings nur den rein kompositorischen Aspekt.

lautsprechermatrixStudio des Instituts für Neue Musik und Medien mit variabler Lautsprechermatrix

Auf Ihrer Website steht, dass Sie sich unter anderem auch mit Kognitionswissenschaften bis hin zu Fragestellungen aus der Forschung im Bereich der künstlichen Intelligenz beschäftigen...

Professor Troge: Ja, wir betrachten die Musik auch von der Informationstheorie aus, das bedeutet, sich zu überlegen, was wird mit der Musik eigentlich transportiert. Musik ist eine Art von Information, aber es ist keine semantische, verbalisierbare Information, d.h. wir haben starke Anteile von Kognitionswissenschaft, psychologischer Akustik, Epistomologie, Emotionsforschung usw.. Wir beschäftigen uns mit der Frage: Was nehmen wir überhaupt wahr, aber auch umgekehrt mit der Frage: Wo kann die Informatik von der Musikinformatik profitieren, wie laufen eigentlich kreative Prozesse ab? Das ist aktuell das Hauptthema unseres Doktoranden-und Forschungskollegs. Das Ziel ist es, Simulationsmodelle zu entwerfen, mit denen man kreative Prozesse abbilden und dadurch besser verstehen kann, was bei Menschen passiert, wenn er komponiert, interpretiert oder Musik einfach nur hört.

Wie definieren Sie Kreativität?

Professor Troge: Inzwischen zeichnet sich ein gewisser Erkenntnisgewinn ab, sodass man inzwischen sagen kann, dass Kreativität einerseits ein völlig überbewerteter und in Mitteleuropa sogar mystifizierter Begriff ist. Was sich allmählich herauskristallisiert, auch durch die vielen Ergebnisse der neurophysiologischen Forschung in den letzten zwei Jahrzehnten, ist, dass Kreativität eine Grundeigenschaft jedes Säugetiergehirns ist. D.h. wir würden nicht überleben, wenn unser Gehirn nicht ständig die nächste Zukunft extrapolieren würde. Das wird anschaulich, wenn man überlegt, was ein Skifahrer macht, der auf eine Piste kommt und der in Sekundenbruchteilen weiß, wie er fahren muss, um den Hang hinunter zu kommen, ohne mit einem der anderen Skifahrer, einem Baum oder einer Pistenbegrenzung zu kollidieren und der genau weiß, welche Bewegungen er machen muss, um in der richtigen Haltung über einen Buckel auf der Piste zu fahren. Das Gehirn macht also in Sekundenbruchteilen vieles, was man allmählich heute mit den Rechnern simulieren kann: Es simuliert die Topographie des Geländes mit allen dynamischen Schwierigkeiten und extrapoliert eine oder mehrere mögliche Routen. Bei kreativ tätigen Menschen laufen ähnliche Dinge ab. Der Komponist sagt: Das Schwierigste an einer Komposition ist die erste Note. Bevor ich diese erste Note geschrieben habe, habe ich ein Universum von Möglichkeiten. In dem Moment, wo ich die erste Note geschrieben – ›gesetzt‹ – habe, wird dieser Möglichkeitsraum kleiner und verengt sich mit jeder weiteren Note, die ich dazu setze. Bis sich dann, wenn die Komposition gut läuft, die letzten Noten sich fast von selbst ergeben.

Das heißt, jedes Gehirn ist kreativ?

Professor Troge: Nicht allein das Gehirn, sondern die Gehirn-Körper-Einheit. Ein wichtiger Schritt in der Forschung war, dass man den Körper wieder einbezogen hat. Ich würde heute den Begriff der kreativen Begabung so verwenden, dass eigentlich jeder Mensch, der ein normales Gehirn und einen normalen Körper hat, auch kreativ sein kann. Und ob er das nun wird oder nicht, das hängt dann im Wesentlichen von seiner individuellen Geschichte ab und von dem Umfeld, in dem er aufwächst. Natürlich klingt das hier nun etwas einfacher, als es dann im konkreten Einzelfall wirklich ist.

Viele Mathematiker (und auch viele Informatiker) machen selber Musik. Treten diese Begabungen häufig zusammen auf oder sind das einfach zwei Seiten derselben Medaille?

Professor Troge: Darauf kann ich keine definitive Antwort geben. Aber es ist sicherlich richtig, dass sowohl die Mathematik wie auch die Musik Sonderwelten sind. Die Mathematik ist eine Welt, wo die Philosophen sich schon immer fragen, ist es die Welt, nach der unsere Welt konstruiert ist, oder ist es nur etwas, das Menschen sich ausgedacht haben, und das zufällig dafür taugt, einiges unserer Welt zu beschreiben. Es ist auf jeden Fall eine Welt, die ihre eigenen Gesetze hat, die zum Teil übereinstimmen mit dem, was wir als unsere Welt wahrnehmen. Gleichzeitig gibt es aber auch Phänomene in der Mathematik, die nicht zu unserer Welt passen. Und die Musik ist etwas Ähnliches. Sie ist auch eine Welt für sich, die ihre eigene Nomenklatur hat, aber sie hat – im Gegensatz zur Mathematik – eben auch einen ›weichen‹ Bereich. Beiden gemeinsam aber ist, dass sie eigene Welten sind, in die man sich hinein begeben kann und für die man sich begeistern kann.

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Wer studiert Musikinformatik?

Professor Troge: Das sind oft junge Leute, die sich schwertun mit der Entscheidung, ob sie nun auf eine Musikhochschule oder eine Technische Hochschule gehen sollen. Am Institut für Musikinformatik können sie beides verbinden. Sowohl ihr Interesse für Hard- und Software, also etwa den Instrumentenbau, als auch ein Interesse an künstlerischer Tätigkeit. Wir haben auch Studierende vom KIT, die bei uns Musikwissenschaft oder Musikinformatik als Ergänzungsfach belegen. Wir haben auch regelmäßig KIT-Informatiker, so zwischen einem halben und einem ganzen Dutzend, die hier das Ergänzungsfach belegen.

Und was machen Musikinformatiker nach dem Studium?

Professor Troge: Auf dem freien Markt von der Musikinformatik zu leben ist, gerade in Europa, sehr schwierig. Wir unterscheiden den künstlerischen, wissenschaftlichen und industriellen Bereich. Manche schaffen es in eine akademische Laufbahn, das kann natürlich aber nur ein kleiner Teil sein. Kompetenzen werden aber auch zum Beispiel beim Sounddesign in der Industrie gebraucht, bekanntes Beispiel sind etwa Tür- oder Motorengeräusche in der Automobilindustrie. Ein stark wachsender Bereich ist die funktionale künstlerische Musik, etwa in Games, Environments, Filmen, gerade die Filme- und Gamesindustrie hat hier viel Potenzial. Darüber hinaus arbeiten unsere Absolventen in der Arbeit mit Behinderten, zum Beispiel der Führung von Blinden durch akustische Signale, in der Reparatur von (digitalen) Musikinstrumenten und beim Eventmanagement oder der Eventtechnik. Unser Bachelorstudiengang ist durch verschiedene Schwerpunkte gut ausbalanciert und gewährleistet die Flexibilität unserer Absolventen auf dem Markt.

Herr Professor Troge, vielen Dank für das Gespräch. (Susann Mathis )

winzenriedVor 25 Jahren, Anfang Januar 1989 gründeten Oliver Winzenried und Marcellus Buchheit in Karlsruhe die Wibu-Systems und starteten eine Erfolgsgeschichte: Mit innovativen Ideen und kontinuierlichem Wachstums hat sich Wibu-Systems zur Aktiengesellschaft gewandelt und zählt inzwischen zur Weltspitze im Markt für Softwareschutz und Lizenzierung. Eine gute Gelegenheit für das VKSI Magazin, den Gründer Oliver Winzenried im Rahmen unserer Rubrik »Karlsruher Köpfe« zu interviewen.

25 Jahre Wibu-Systems, Herr Winzenried, haben Sie eigentlich Zeit zum Feiern?

Winzenried: Wir hatten letzte Woche die Hannover-Messe Industrie, vorher das Automatisierungstreffen in Böblingen, davor die CeBIT, davor die Embedded World, davor eine große Hausmesse im Januar. Nach Ostern war ich mit Wirtschaftsminister Gabriel und seiner Wirtschaftsdelegation in China, Anfang Mai auf der Industrial Automation in Peking – so richtig viel Zeit bleibt da nicht. Dennoch kann man 25 Jahre nicht einfach so vorbeigehen lassen. Wir haben mit allen Mitarbeitern, ihren Familien, Partnern, Kunden und Freunden, also mit allen, die zum Erfolg der Firma beigetragen haben, am 2. April auf der MS-Karlsruhe bei herrlichem Wetter gefeiert.

Wie lautete vor 25 Jahren die Wibu-Gründungsidee?

Winzenried: Meinen Partner Marcellus Buchheit habe ich schon zu Studienbeginn 1981 bei den Amateurfunkern der Universität Karlsruhe kennen gelernt. Nach dem Studium haben wir beide zunächst Auftragsentwicklung gemacht, zum Beispiel elektronische Türschlösser für die Automobilindustrie aber auch Bühnensteuerungssysteme, etwa für das Thalia Theater in Hamburg und andere, doch das war alles vor Wibu-Systems. Im Laufe der Zeit entstand die Idee, dass man für Software Kopierschutz braucht. 1989 haben wir dann unser erstes Produkt auf den Markt gebracht, den Wibu-Key – ein Dongle für PCs, und daraufhin haben wir unsere Firma gegründet.

Hat Ihre Branche mehr Betriebsgeheimnisse als andere?

Winzenried: Manche sicher.

Inwieweit ist dann Zusammenarbeit möglich? Können Sie Mitarbeiter auf Zeit in Ihr Unternehmen rein holen?

Winzenried: Das geht schon, weil wir die Schutzverfahren, die wir verwenden, nicht geheim halten können. Der Kunde muss sich davon überzeugen können was er bekommt, also gegen welche Art von Bedrohungen unsere Software schützt. Er kann sich nur überzeugen, wenn wir sagen, was wir machen. Der eigentliche Schutz basiert tatsächlich auf der Länge der kryptographischen Schlüssel und auf den Verfahren selber. Die Nachweisbarkeit, dass der Schutz funktioniert, und die Demonstration des Verfahrens sind wichtige Grundlagen für unsere Kunden, Vertrauen aufzubauen. Wenn man Dinge versteckt, ist das »Security by Obscurity«, eine Pseudosicherheit, die häufig auch nicht lange hält.

Wibu-Systems macht ja auch Schutz für Embedded Systeme …

Winzenried: Nach dem Schutz für PC-Software kamen unsere Entwicklungen für den Industriebereich mit speziellen Varianten unserer CodeMeter basierten Donglehardware, die man in einem Embedded System oder einem Automatisierungssystem verwenden kann. Diese überleben auch extreme industrielle Produktionsbedingungen und man kann sie in bestehenden Systemen und Steuerungen nachrüsten. Das ist dann zum Beispiel ein Dongle als Micro SD Karte. Es handelt sich im Prinzip immer um eine Kombination aus einem Speicher und einer sicheren Verschlüsselung in einem Smartcard-Chip.
Wir bieten nicht nur Schutz vor Kopie oder Reverse Engineering. Ein weiteres wichtiges Angebot ist das Licensing, so dass bei einem Gerät, das in großen Stückzahlen einheitlich produziert wird, vor der Auslieferung an den Kunden durch die Konfiguration festgelegt wird, welche Funktionen es eigentlich hat. Wir können außerdem die Verteilung der Lizenzen in die Geschäftsprozesse vom Kunden integrieren, also die Anbindung an ein CRM- oder ein SAP-System, indem dann in der Stückliste von einem Gerät die Software realisierten Funktionen genauso mit einer Teilenummer drin stehen wie die mechanischen Teile.
Außerdem schützen unsere Produkte vor Manipulationen und Veränderungen. Das wird gerade jetzt durch die zunehmende Vernetzung von Steuerungsgeräten, etwa in der Energieversorgung oder in der Verkehrslogistik, oder auch im intelligenten Gebäude, immer wichtiger. Das macht man über eine Art elektronische Unterschrift, das heißt der Hersteller oder berechtigte Herausgeber von einem Stück Programmcode unterschreibt seinen Code und das Embedded System überprüft die Signatur. Dies stellt sicher, dass der Code nicht verändert wurde, und auch, dass er von jemandem kommt, der dazu berechtigt ist. Und nicht von einem Dritten eingespeist wurde. Vor fünf Jahren hat noch niemand nach dieser Komponente gefragt, begonnen hat es mit Stuxnet Mitte 2010.

Niemand konnte eine solche Entwicklung vor 25 Jahren absehen…

Winzenried: Das stimmt. Was wir damals vermutet haben war, dass der Einsatz von PCs sehr stark zunehmen wird und dass es daher wichtiger wird, Software zu schützen, da deren Kopie qualitativ nicht schlechter ist als das Original. Doch Sicherheit gibt es nie zu 100 %, und nie für alle Ewigkeit. Man muss immer die Algorithmen verbessern, die Verfahren verbessern und das möglichst in einer Art und Weise, dass der Kunde, der die Schutzmechanismen einsetzt, oder auch eine Schutzhardware von uns in sein Produkt integriert, nicht die Hardware auswechseln muss.

Wo begegnet man Wibu-Systems im Alltag, mal abgesehen vom PC?

Winzenried: Wenn Sie Geld abheben bei einem Geldautomaten von WincorNixdorf, ist eine Komponente von uns drin oder beim Diagnosestecker von Bosch Esi-Tronic in der Autowerkstatt, cerec, beim Zahnarzt, auch hier steckt in jeder Maschine ein kleiner CodeMeter drin. Der schützt zum einen die Geräte, um den Nachbau zu erschweren, aber auch um sicherzustellen, dass das Gerät genauso funktioniert wie es zugelassen wurde. Das verlangt nicht zuletzt das Medizinproduktegesetz.

Inwieweit war Karlsruhe wichtig für Ihre Gründung?

Winzenried: Erst im Nachhinein hat sich der Standort als sehr vorteilhaft erwiesen. Zum einen was den Zugang zu Mitarbeitern, Absolventen von der Uni, angelangt. Außerdem haben wir auch schon recht früh, etwa 1992 oder 1993 mit der Universität Karlsruhe zusammengearbeitet. Das Europäische Institut für Systemsicherheit, EISS, das Forschungszentrum Informatik, FZI, die Fraunhofer-Gesellschaft, sind alles wichtige Kooperationspartner für uns. Dazu kommen die Netzwerke wie das Cyberforum und der VKSI, die KA IT SI Sicherheitsinitiative. Hier sind wir überall Mitglied und auch aktiv.
Überhaupt sind Netzwerke extrem wichtig, gerade für eine kleine Firma. Wenn man hier das Konsortium richtig wählt, Networking betreibt, dazu inhaltlich an Lösungen arbeitet, kann man von den Kenntnissen der anderen auch profitieren. Hier ist kein im Wettbewerb, hier haben wirklich alle ihren Nutzen. Die Verbände von VDMA bis BITKOM bieten gerade auch für kleine und mittlere Unternehmen die Chance, mit den richtigen Leuten bei großen Unternehmen in Kontakt zu kommen. Karlsruhe liegt auch verkehrsgünstig zwischen Paris, Brüssel, Hamburg und Berlin. Auch die Stadt selbst ist sehr engagiert. Vor vielen Jahren war ich mit der Wirtschaftsförderung in Finnland, als Nokia noch sehr erfolgreich war.

Nun ist Wibu-Systems aber nicht nach Finnland, sondern nach China gegangen…

Winzenried: 2003 haben wir ein Büro in Shanghai eröffnet, 2005 haben wir daraus eine Tochtergesellschaft gemacht, aber wir haben bis 2011 gebraucht, bis wir in China schwarze Zahlen geschrieben haben. Aber ich bin auch heute noch überzeugt: man kann dort nicht hingehen und innerhalb kurzer Zeit erfolgreich sein. Das funktioniert höchstens dann, wenn man lediglich seinen bestehenden Kunden folgt. Unser Ziel war aber, in China unsere Produkte chinesischen Kunden zu verkaufen. Und das hat lange gedauert. Aber jetzt macht es viel Spaß, und wir haben inzwischen auch ein zweites Büro in Peking.

Sie sind oft selber in China, wie gefällt es Ihnen?

Winzenried: Ich bin dort vier- bis sechsmal pro Jahr, und ich bin gerne dort. Die Zusammenarbeit mit den Mitarbeitern dort macht mir Spaß, ebenso die Gespräche mit den Kunden und das Essen schmeckt mir. Das einzige, was mir nicht gefällt, ist die Luftverschmutzung, dauerhaft dort leben wollte ich nicht. Im Karlsruher Verbindungsbüro der Außenhandelskammern hatte ich etwas chinesisch gelernt, ich spreche etwa 200 Worte, das reicht für Höflichkeitsfloskeln, aber noch nicht für Smalltalk. Ansonsten muss das Smartphone helfen und kann schnell ein Zeichen entschlüsseln oder man kann jemandem ein Zeichen zeigen.

Was sind die wichtigsten Höflichkeitsregeln in China?

Winzenried: Ich denke, wir Ausländer dürfen auch Fehler machen. Nur ganz grobe grundsätzliche Fehler sollte man vermeiden. Bei uns in Deutschland etwa lässt man bei Trainings oder Schulungen die Leute bewusst in Fehler hineinlaufen, damit sie selber sehen, »Oh ja, das habe ich falsch gemacht«. Danach zeigt man ihnen, wie es richtig geht. Das würde man in China nicht so machen, denn dann hätten alle Angst mitzumachen, weil sie sich keine Blöße geben wollen.

Was haben Sie durch Ihre Auslandserfahrung über den deutschen Markt gelernt?

Winzenried: Der deutsche Markt ist sehr professionell, sehr strukturiert, man betrachtet Entscheidungen hier viel langfristiger als in anderen Märkten. In Deutschland denkt man mehr mittel- bis langfristig und auch mehr nutzen- und weniger preisgetrieben. Das gilt auch für Österreich und die Schweiz. Für uns ist Deutschland ein toller Markt, noch dazu ist er direkt vor unserer Haustür. In Asien ist der Aufbau einer persönlichen Beziehung unerlässlich zur Vertrauensbildung.

Wie geht es bei Wibu-Systems in den nächsten 25 Jahren weiter?

Winzenried:  Wir haben für die nächsten 5-6 Jahre das Ziel, 25 % Weltmarktanteil in unserem Nischenmarkt zu bekommen. Das bedeutet ein starkes Wachstum, aber das ist nicht unrealistisch. Außerdem wollen wir CodeMeter als eine Art De-Facto-Standard etablieren. Der Erfolg der letzten 25 Jahre hat uns gezeigt: Wenn man selber von etwas wirklich überzeugt ist, soll man sich nicht davon abbringen lassen.

Lieber Herr Winzenried, vielen Dank für das Gespräch. (Susann Mathis)

wegmannAutor: Matthias Grund

August Wegmann startete 1971 sein Informatik-Studium an der Universität Karlsruhe (TH), dem heutigen KIT – ein Jahr vor der Gründung der Fakultät für Informatik.

Es war ein Hiwi-Job, der seinem weiteren beruflichen Leben schon knappe zwei Jahre nach Studienbeginn eine entscheidende Richtung gab. Ausgerechnet am soziologischen Institut (also im »Orchideen-Garten« der TH) bei Dr. Karl Schlagenhauf fand der junge Student eine Anstellung. Seine Aufgabe: Er sollte bei der statistischen Auswertung von Fragebögen behilflich sein. Eine Arbeit, die mühselig genug war, um August Wegmann auf Abhilfe sinnen zu lassen: Er begann Stücke einer Software zu entwickeln, die ihn unterstützen konnte.

Das war keine leichte Aufgabe, denn ausgetretene Pfade gab es nicht und Rechnerkapazitäten waren ein knappes Gut (14 KB verfügbarer Arbeitsspeicher, 140 KB Floppy Disk). August Wegmann baute aus allem, was ihm brauchbar erschien, ein System zur Datenhaltung mit Abfragefunktionalität, statistischen Auswertungen und graphischer Ergebnisdarstellung. Und das Ganze mit einer Anwenderschnittstelle, die auch für Nicht-Informatiker nutzbar war.

In jener Zeit wurden noch Lochkartenstapel zur Abarbeitung von Batchjobs zusammen mit den Daten abgegeben und Stunden später die hoffentlich brauchbaren Ausdrucke abgeholt. Dabei konnte August Wegmann erste Erfahrungen mit Statistikpaketen sammeln, die ihm ab 1980 bei den Arbeiten auf einem Apple II mit UCSD – Pascal zugute kamen. Aus diesen Anfängen – Persistierung von Tabellen, Query-Funktionalität, graphische Oberfläche – entstand dann im Lauf der Jahre ein Software-System, das in den 80er Jahren in kurzer Zeit (und für einen kurzen Zeitraum – dazu später mehr) das führende relationale Datenbank-System außerhalb der Großrechnerwelt wurde: Adimens.

Adimens wurde entwickelt und vertrieben von der Karlsruher Firma ADI, deren Mitgründer und Gesellschafter August Wegmann war. ADI machte Karlsruhe als Standort für SoftwareEntwicklung in der ganzen Welt bekannt. Verfügbar war Adimens initial für den damals revolutionären Apple II, später für Lisa und MacIntosh. Im Lauf der Jahre kamen HP-Rechner, der IBM-PC, DEC PDP 11, VAX-Rechner, verschiedene Unix-Rechner (sun, HP) dazu, im Jahr 1987 war Adimens 4 für Windows verfügbar. Die Zersplitterung der Hardware- und Betriebssystem-Landschaft machte die flächendeckende Verbreitung von Adimens zu einer wahren Herkulesaufgabe für die kleine Karlsruher Softwareschmiede.

Diejenige Leistung, die ich persönlich am meisten schätze, war die Implementierung von Adimens auf dem Atari ST: Wir schreiben das Jahr 1986. Atari ST war mein Arbeitsplatzrechner, eine kostengünstige Alternative zu den um Faktoren teureren Macs. Unsere Werkstudenten, ich arbeitete damals bei einer Siemens-Tochter, kamen jeden Tag voller Stolz mit einem neuen Stapel von 3,5 Zoll-Disketten – mit einer Kapazität von 720 KB, später 1,44 MB – voller raubkopierter Software2 zur Arbeit. Meist handelte es sich um Spiele, manchmal aber auch um neue Büro-Programme wie Textverarbeitung oder Spreadsheets. Einmal war sogar eine komplette Smalltalk-80-Umgebung dabei – sie wurde meine erste Begegnung mit Smalltalk. Eines Tages waren die Studenten besonders stolz: »Hier – endlich eine echte relationale Datenbank!«. Das war Adimens.

Den Kopf hinter Adimens, August Wegmann, lernte ich erst gut 25 Jahre später persönlich kennen. Er konnte mir lachend versichern, dass ADI damals auch mit der Version für den Atari tatsächlich Geld verdient hat. Was aber viel wichtiger war: Mit der Atari-Version hat er es einer Generation von neugierigen jungen Softwerkern ermöglicht, erste experimentelle Erfahrungen mit einem relationalen DB-System zu machen. Es waren nicht die Raubkopien, die 1989 zur Einstellung des Produktes Adimens führten, sondern die Einführung von Access als integriertem Bestandteil des Microsoft Office-Pakets. Damit war die Pionierzeit bei den Datenbanken zu Ende. Marktmacht, Produkt-Bundling und Normierung bestimmen seither den Datenbank-Markt.

In den 90er Jahren bearbeitete August Wegmann zwei ganz andere Felder: Zwischen 1990 und 1995 entwickelte er Anwendungen und Werkzeuge auf der Grundlage von Systemen wie Hypercard. Fünf Jahre, bevor das World Wide Web mit HTML Fahrt aufnahm, hat August Wegmann die Möglichkeiten einer Hypertext-Umgebung nicht nur erkannt, sondern umgesetzt: Er entwickelte für eine Bank einen Editor, mit dem eine Hypermedia-Anwendung (ein Kiosk-System für Kunden) von den zuständigen Sachbearbeitern bearbeitet werden konnte. Dieser Editor war also ein frühes Content Management System für ein Hypermedia-System. Ebenfalls in den frühen 90er Jahren entstand ein Homebanking-System. Die Kommunikation erfolgte nicht über das Internet, sondern über BTX, das damalige Angebot der Bundespost.

So war es nur folgerichtig, dass August Wegmann auch zu den WWW-Pionieren gehörte: Sowohl der Banking-Kiosk als auch das Homebanking-System wurden 1996 und 1997 auf die neue Plattform umgestellt. 1998 wurde August Wegmann dann als Professor für »Elektronische Medien und Märkte« berufen. Als Professor und auch in anderen Funktionen, z. B. als Vorstand des VKSI, gibt August Wegmann seine reiche Erfahrung weiter. Der Gründer mancher erfolgreicher Karlsruher Firma ist durch seine Schule gegangen. Neben seiner Lehrtätigkeit ist Professor Wegmann heute ein gefragter Experte für Gutachten und Analysen in Fragen von Software-Qualität, Performanz und optimalem Datenbank-Einsatz. Besonders aufmerksam verfolgt er die Entwicklung von HANA – vielleicht die nächste Datenbank aus Deutschland, die Geschichte schreiben wird. August Wegmann hat mit seinen Ideen und Händen Pionier-Software entwickelt. Im Gegensatz zu manch anderem ist er damit aber nicht reich geworden, er besitzt weder Yachten noch Luxusvillen. Sein größter Luxus sind seine Fahrräder, mit denen er den meisten Zwanzigjährigen immer noch davonfährt – ungeachtet seines nicht mehr ganz jugendlichen Alters von 60 Jahren. Ich bin stolz darauf, dass August Wegmann mein Freund ist und nicht Larry Ellison.

prof_lockemann1972 wurde in Karlsruhe die Fakultät für Informatik gegründet, im gleichen Jahr trat auch Peter Lockemann seine Professur in Karlsruhe an. Das Leben des 1935 geborenen Lockemanns ist durchgängig eng mit der Entwicklung der Disziplin Informatik verbunden – auch wenn diese am Anfang noch gar nicht so hieß. Er hat – unter anderem – das FZI mitgegründet, über hundert wissenschaftliche Artikel und vier Lehrbücher geschrieben, er hat regelmäßig Gastprofessuren im Ausland und Berateraufgaben für Ministerien wahrgenommen und zehn seiner Studenten sind heute selber Professoren. 2005 wurde Lockemann das Verdienstkreuz am Bande verliehen, die Frankfurter Johann Wolfgang Goethe-Universität verlieh ihm 2003 für seine Verdienste in der Forschung und als Förderer des Wissenstransfers in die Unternehmenspraxis die Ehrendoktorwürde. Ich treffe ihn in seinem Büro im Forschungszentrum Informatik, wo er dem VKSI-Magazin einige Fragen beantwortet.

Herr Professor Lockemann, wann und wie sind Sie während Ihres Studiums der Nachrichtentechnik zur Rechnertechnologie gekommen?

Lockemann: Als Robert Piloty frisch habilitierter Privatdozent in München war, hörte ich 1956, während meines Studiums der Nachrichtentechnik, seine Vorlesung über die Grundzüge der Rechnertechnik von. Als Deutschland 1954 erlaubt wurde, Forschungsprogramme im Bereich Rechnertechnologie einzurichten, entwickelte sein Vater Hans Piloty zusammen mit dem Mathematiker Robert Sauer an der TH München die PERM (Programmgesteuerter Elektronischer Rechenautomat München). Die PERM wurde lange Jahre im Rechenzentrum der TH München und bei der Ausbildung von Entwicklungsingenieuren für die deutsche Computerindustrie benutzt. Heute steht sie im Deutschen Museum in München. Ich habe als Werkstudent dort erst mal Schaltkreise verlötet und Magnetköpfe für den Trommelspeicher zusammengebaut , meine Diplomarbeit zum Magnetkernspeicher gemacht, promoviert habe ich dann in Transistortechnik.

1963 sind Sie nach der Kalifornien ausgewandert, um dort am Caltech zu arbeiten. Das California Institute of Technology, gehört laut diversen Rankings zu den zehn besten Universitäten der Welt. Womit haben Sie sich dort beschäftigt?

Lockemann: Das waren prägende Jahre. Zum einen bin ich erst dort mit der Softwaretechnik – naja, das war eigentlich noch Programmierung – in Berührung gekommen. Zum zweiten gab es dort gar keine Computer Science, sondern ein »Information Science«-Programm, das anwendungsgetrieben war. Zunächst habe ich in einer Gruppe gearbeitet, die Biosignale ausgewertet hat: Wir haben Experimente mit Sonden in Fliegenaugen durchgeführt und schon damals große Datenmengen produziert und ausgewertet. Später wechselte ich in eine sozialwissenschaftliche Gruppe, die Sprachwissenschaft in Verbindung mit der Auswertung anthropologischer Daten betrieb. So bin ich mehr oder weniger zufällig in die Datenbanktechnik geraten. Wir haben viel experimentiert und waren eine der ersten, die RecoveryTechniken und einen softwarebasierten virtuellen Speicher entwickelten. Unser Datenbanksystem war graphbasiert – damals nicht unüblich, aber erst heute wieder aktuell. Doch unsere Ansätze haben zu wenig Leistung gebracht. Rückblickend wäre das die Zeit gewesen, zu IBM zu wechseln.

Nach sieben Jahren sind Sie 1970 dann doch wieder zurück nach Deutschland gegangen.

Lockemann: Meiner Frau und mir hatte es in Kalifornien sehr gut gefallen, doch die Kinder waren klein und wir wollten eine klare Entscheidung für ihre Schulzeit treffen. In Deutschland habe ich dann in Bonn bei der GMD (damals: Gesellschaft für Mathematik und Datenverarbeitung mbH) gearbeitet und war involviert in ein Projekt zur Entwicklung eines juristischen Informationssystems. Dieses Fachinformationssystem stellte die Gesetzeslage und die Urteile für Juristen in einem »Information Retrieval System« zusammen und – darauf bin ich durchaus stolz – existiert heute noch. Von Karlsruhe erhielt ich dann die Aufforderung, mich um den Lehrstuhl Programmiersprachen zu bewerben. Das habe ich allerdings abgelehnt, aber Universitäten waren von jeher flexibel, und wir haben uns auf eine Widmung in Richtung Datenbanken geeinigt.

Sie haben in einer Zeit in der Informatik begonnen, als dieses Fachgebiet noch ganz jung war und Experten noch alle Teildisziplinen überblicken und durchschauen konnten…

Lockemann: … hier sollte man sich keine Illusionen machen, diese Phase ging sehr schnell vorbei. Schon als ich Anfang der Siebzigerjahre nach Karlsruhe kam, war das Gebiet so breit, dass man nicht mehr überall in die Tiefe gehen konnte. Sowohl in Deutschland wie auch in den USA hat man sich allerdings schwergetan, diese Disziplin zu akzeptieren. In den Vereinigten Staaten zum Beispiel war Computer Science, wie dort Informatik hieß und immer noch heißt, viel enger aufgestellt. Mein Bereich, Datenbanktechnik, war lange Zeit nicht einmal Teil der Computer Science sondern bei den Business Schools mitgelaufen. Ich selber bin durch meine Erfahrungen mit Anwendungen geprägt worden und habe diese auch immer gesucht. Später waren dies vor allem Produktionstechnik, Elektronikentwurf, Verkehrswesen und Gebäudearchitektur. Ich habe deshalb immer stark interdisziplinär gearbeitet. Ich habe mich auch nicht als reinen Technologen gesehen. Neue Anwendungen bedürfen aber natürlich auch neuer Technologien, und ich hatte auch immer Mitarbeiter, die sehr erfolgreich diese Technologien entwickelten. Vielleicht wäre es korrekter zu sagen, dass ich eine Neigung zu top-down Vorgehen habe. Ich habe deshalb den Datenbankbereich immer als Softwaretechnik verstanden und dort als ausgesprochene Systemtechnik. Ähnlich wie bei Betriebssystemen habe ich Architekturfragen als zentral gesehen.

Um welche Probleme zu lösen?

Lockemann: Nichtfunktionale Kriterien wie Performanz haben über 30 Jahre lang die Datenbankarchitektur dominiert, genauer die Langsamkeit des Hintergrundspeichers im Vergleich zum Hauptspeicher. Auf diesem Missverhältnis bauten die Architekturfragen auf, also: Wie lässt sich die Zugriffslücke überbrücken, so dass sie in der Anwendung nicht in Erscheinung tritt? Und so wie die Bedarfe gewachsen sind, so ist auch das Problem größer geworden. Die Übertragungsrate von der Platte in den Hauptspeicher hat sich von etwa 1 MB/s 1970 auf etwa 250 MB/s 2010 gesteigert. Heute beträgt die Zugriffslücke etwa 106, so stark unterscheiden sich heute die Geschwindigkeiten beim Zugriff auf Hauptspeicher und Hintergrundspeicher (Platte). Nun hat mit der Marktreife der SSD ein ganz neues Kapitel begonnen.

Dazu kamen über die Jahre Gastprofessuren am CalTech und am MIT, und Beraterfunktionen bei Wirtschaft und Ministerien und – für Karlsruhe besonders bedeutend – 1985 gründeten Sie gemeinsam mit mehreren Kollegen das Forschungszentrum Informatik Karlsruhe (FZI), waren dann lange Zeit dessen Vorstand (daher Ihr Spitzname »Mister FZI«). Was war Ihr wichtigstes Motiv dafür?

Lockemann: Um es mit dem modernen Slogan des KIT zu sagen: Innovation. Innovation ist der Transfer von Forschungsergebnissen in die wirtschaftliche Nutzung. Das Ziel des Forschungszentrums Informatik war und ist der Technologietransfer von der Forschung in der Karlsruher Informatik in die Wirtschaft. Wir waren damals acht Professoren, und hatten rein altruistische Motive, wenn man mal davon absieht, dass wir uns natürlich über zusätzliche Ressourcen für die Forschung gefreut haben. Für jeden persönlich bedeutete das aber viel mehr Arbeit.

Sind Sie mit der Entwicklung des Forschungszentrums Informatik zufrieden?

Lockemann: Ich bin ja nur noch – wenn auch sehr engagierter – Beobachter. Ich bin begeistert, was die jungen Kollegen in den letzten Jahren daraus gemacht haben. Ich hatte am Ende eine neue und wie es scheint schlagkräftige Organisation umgesetzt. Zunächst war das FZI auf einzelne Professoren zugeschnitten, heute gibt es vier große, kollegial geführte Forschungsbereiche, die sich als eine sehr gutes Basis für Wachstum erwiesen haben. Inhaltlich hat sich das Bild seit der Jahrtausendwende komplett geändert. Angefangen haben wir mit »Informatik für die industrielle Produktion«. Heute ist das FZI viel breiter aufgestellt – kein Wunder, wenn man bedenkt, dass Informatik heute in alle Lebensbereiche eindringt. Ich kann das an meiner eigenen Disziplin sehen, wo sich unter dem Stichwort »Big Data« sich vollkommen neue Herausforderungen herausbilden: eine enorme Informationsmenge im Web, relativ unstrukturiert und textorientiert, dazu embedded systems, die Datenströme überall erfassen, und schließlich die globale Verteilung der Daten

Welche Schwierigkeiten musste das FZI dabei überwinden?

Lockemann: Natürlich hat das Forschungszentrum Informatik das Auf und Ab der Wirtschaft mitgemacht, übrigens immer etwas zeitverzögert. Anfangs kamen unsere Kunden aus den F. & E. Abteilungen der Großunternehmen. Als diese Anfang der Neunzigerjahre sukzessive abgebaut wurden, hat das Forschungszentrum Informatik sich extrem stark auf den Mittelstand konzentriert. Das hat uns damals zwar politisch großes Lob eingebracht, uns aber auch behindert, da wir sehr viel Zeit für die Akquise aufwenden mussten. 2002 hat uns das in echte Schwierigkeiten gebracht. Die bieten aber eben auch Chancen und die wurden – auch dank des Generationenwechsels – hervorragend genutzt. Mit seinen klar gesetzten inhaltlichen Schwerpunkten hat sich das Forschungszentrum Informatik deutlich als Zentrum für Innovationen im IT-Bereich positioniert. Somit ergänzt es sich hervorragend mit der Fakultät für Informatik und ist heute weit über die Grenzen von Baden-Württemberg hinaus anerkannt.

Vor 40 Jahren wurde die Fakultät gegründet, vor 40 Jahren haben Sie Ihre Professur angetreten – und Sie sind unver- ändert präsent in der IT-Szene. Womit beschäftigen Sie sich heute vor allem?

Lockemann: Mir bleibt viel Zeit für Privates, zum Beispiel beschäftige ich mich mit der Sprachförderung in BrennpunktKindergärten und ich reise mit meiner Frau viel in der Welt herum. Aber auch wenn ich vielleicht manchmal bedauern mag, dass ich mich zu früh und zu stark auf die Anwendungen der Informatik konzentriert habe, so habe ich doch einige Themen gefunden, die mich weiter faszinieren, aktuell sind das etwa über das Cyberforum die Projekte Smarter City der Stadt Karlsruhe und Smart Business IT des Landes. Um bei einem Projekt wirklich in die Tiefe zu gehen, braucht man ein großes Forschungsteam und das habe ich nicht mehr. Was ich dagegen kann, ist Projektideen entwickeln und mich an der Entwicklung der großen Linie beteiligen, und da bringe ich mich immer noch im FZI ein. Es erstaunt mich vielleicht selbst am meisten, aber es ist wahr: so schnell veralten Erfahrungen dann eben doch nicht.

Professor Lockemann, herzlichen Dank für dieses Gespräch!

Ziele des VKSI

zieleDie Region Karlsruhe als Kompetenzzentrum für Softwaretechnik besser sichtbar machen: An Hochschulen, Forschungseinrichtungen und Software-Unternehmen in Karlsruhe und Umgebung sind herausragende Kompetenzen der Softwaretechnik versammelt. Um die Attraktivität dieser Region für Software-Experten in aller Welt sichtbar zu machen, sind folgende Maßnahmen notwendig:

Karlsruher Softwaretechnik-Know-how zu einem Pool bündeln, sichtbar und zugänglich machen, dazu eignet sich am besten ein Portal.

Softwaretechnik als Thema stärker in bestehende regionale IT-Initiativen einbringen.

Software-Ingenieure bei Ihrer Suche nach interessanten Arbeitgebern unterstützen. Kenntnisse und Erfahrungen in der Softwaretechnik zusammenführen und verbreiten: Vernetzen, austauschen, anregen (lassen) und zusammenarbeiten beschleunigt auch die Innovationen in der Softwaretechnik. Kenntnisse und Erfahrungen in der Softwaretechnik zusammenzuführen verbreitert das Know-how und hilft (unter anderem), schneller die passenden Partner zu finden. Der VKSI wird Möglichkeiten zum Erfahrungsaustausch und zur Vernetzung bieten.

Ein Forum für Angebote zur beruflichen Weiterbildung in Softwaretechnik aufbauen ("lebenslanges Lernen").

Der VKSI wird mit gezielten Veranstaltungen, Kontakten und Informationen den Austausch erleichtern und das Netzwerk enger knüpfen, vorhandenen Aktivitäten wollen wir zusätzliche Sichtbarkeit verschaffen.

ingenieur

Softwaretechnik als Ingenieurdisziplin in der öffentlichen Wahrnehmung stärken: Wir alle wissen: das Image des Softwareingenieurs entspricht in keinster Weise der Realität oder ist sowieso nicht existent. Wie und wo arbeiten Softwareingenieure? Übersetzen sie anderer Leute Ideen in Software oder entwickeln sie eigene Ideen? Tragen alle Softwareingenieurs Karohemden? Gibt es auch Frauen, die diesen Beruf ergreifen (und und müssen die dann auch Karohemden tragen)? Aber auch innerhalb unserer Branche existieren heterogene und diffuse Ansichten. Außerdem ist, im Gegensatz zur Berufsbezeichnung "Ingenieur", die Berufsbezeichnung Softwareingenieur in Deutschland nicht geschützt. Wie viel Ingenieur also ist im Softwareingenieur?

Der VKSI wird explizit daran arbeiten,das Berufsbild des Softwareingenieurs klarer zu umreißen und die Attraktivität des Berufs darzustellen.

Dazu gehört auch, die Öffentlichkeit über "Softwaretechnik aus Karlsruhe" zu informieren (Presse, Web, Messen und Kongresse).

Nachwuchs fördern: Der VKSI will Nachwuchsförderung in der Region und für die Region betreiben, das bedeutet zum einen, Schülerinnen und Schüler für den Beruf des Softwareingenieurs begeistern und zum anderen, Absolventen und Berufsanfänger unterstützen.

Ein Beruf der nicht bekannt ist, kann auch für Jugendliche nicht attraktiv sein. Erfahrungen über gelungene Aktionen für Kinder und Jugendliche werden wir verallgemeinern und die Best Practice unseren Mitgliedern zugänglich machen.

Absolventen und Berufsanfänger sollten so schnell wie möglich alle Möglichkeiten wahrnehmen können, sich zu informieren, ihre Stärken herauszubilden, den richtigen Arbeitsplatz zu finden. Für Berufsanfänger schaffen wir Foren und Kontakte für den richtigen Einstieg ins Berufsleben.

Dazu gehört für den VKSI auch, Software-Ingenieuren und dem wissenschaftlich-technischem Nachwuchs aus der Region und aus der ganzen Welt die Software-Region Karlsruhe nahe bringen
Satzung
Die Satzung als PDF zum Download:
VKSI Satzung (~60KB)